Rückblicke 2013


Jahresabschluss 2013

Am 5. Dezember 2013 fand unsere FDA-Jahresabschlussversammlung in den Räumen der Bürgerinitiative Chemnitzer City e.V. statt. Die Mitarbeiter hatten für uns den Tisch liebevoll gedeckt und verwöhnten uns mit weihnachtlichen Leckereien, Kaffee und später Glühwein.

Das Sturmtief Xaver hatte es zwar geschafft, an diesem Tag den Weihnachtsmarkt durch Totalschließung lahm zu legen, unserer guten Laune tat das wenig Abbruch.

Anne stellte uns einen neuen Mitstreiter in unseren Reihen vor, informierte uns per Rechenschaftsbericht umfassend über den Stand aller Aktivitäten und über das, was 2014 mindestens geplant war. Amlut umriss noch einmal in kurzen Worten den bisherigen Werdegang des literarischen Nachlasses der Schriftstellerin Maxie Wander.

Natürlich wurden auch kleine Weihnachtspräsente, an verdienstvolle Mitglieder überreicht.

Mit Lesungen zum Thema Weihnachten, leidenschaftlichen und witzigen Diskussionen zu Sünden und Dingen, die vielleicht noch welche werden wollen, verging die Zeit wie im Fluge. Zumal es bei uns ja immer wirklich lustig zugeht.

Für den unfreiwilligen aber absolut herrlichen Knaller des Tages sorgte die Mitarbeiterin von Peter W. Patt, als sie uns seine heiß begehrten Einladungen für das Benefiz Konzert in der St.-Jakobi-Kirche überreichte. Es sei nicht schlimm, wenn nicht alle ein Ticket hätten. Sie werde uns am Eingang der Kirche erwarten und alle einlassen, die FDH auf der Stirn stehen hätten. Das einsetzende Gelächter war umwerfend.

Mit Blick auf den Tisch wäre aber auch dieser Gedanke nicht völlig daneben gewesen. 

18 Uhr folgten wir der herzlichen Einladung, spazierten zu St.-Jakobi hinüber und erlebten drei wirklich hörenswerte Musiker an Orgel, Querflöte, Violine und eine hervorragende Sängerin.

All denen, die nicht dabei sein konnten, wünschen wir noch eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Reni Dammrich & Lothar Pfüller

Frau – Mann – Mensch

Gesehen mit den Augen der Utopie

Das Frauenzentrum „Lila Villa“ Chemnitz hatte zum Geburtstag von Irmtraut Morgner, Brigitte Reimann und Maxie Wander  in das Kulturkaufhaus DASTietz, unter oben genannter Überschrift, eingeladen. Alle drei wären in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Die Veranstaltungen am 16. und 17.11.2013  konzentrierten sich auf Lesungen und Diskussionen zum Leben  und Wirken dieser drei Schriftstellerinnen in ihrer und unserer Zeit.

Es werden 50 Teilnehmer gewesen  sein, darunter drei Männer. Auch der FDA Sachsen war  mit 6 Personen  vertreten.

Susanne Wander, die dritte Frau von Fred Wander,  begann die Lesung aus unveröffentlichten Briefen und Tagebuchnotizen von Maxie Wander, der Wienerin,  die von Österreich in die DDR übergesiedelt war. Ihr Leben neben Fred, ihr Leben  in der DDR, ihr Schicksal wurden wieder lebendig.     

Der verstorbene Hans-Dietrich Lindstedt, ehemaliger Vereinsvorsitzender des FDA Sachsen hatte liebevolle Kontakte mit Maxie und Fred. Davon zeugen Briefe, die inzwischen im Stadtarchiv lagern. Diese wurden aber von Susanne Wander nicht erwähnt.

Brigitte Struzyk aus Berlin las und kommentierte Werke der Irmtraud Morgner, eine Chemnitzerin. So diese Sätze:

Woran Männer denken außer an Sex.

Bücher sind eine Zumutung. Es wird uns zugemutet  Bücher zu verstehen. Und dazu gehört Mut.

Sie hat viele Gedanken von  Robert Merle und Berthold Brecht verarbeitet. Angst hatte sie um die Zukunft der Menschheit. Sie formuliert: Wenn der Wahnsinn so weitergeht, wird der Mensch vernichtet, vernichtet er sich selbst.

Vier junge Forscherinnen aus den Universitäten Potsdam und Bonn gaben Einblicke in die jüngste Forschung über das Wirken dieser 3 Schriftstellerinnen. Vielleicht  wurde die DDR-Zeit, in der die Schriftstellerinnen lebten und schrieben  manchmal zu negativ dargestellt. Denn ohne die Emanzipation wäre das Schaffen dieser herausragenden Schriftstellerinnen nicht möglich gewesen.

In der nachfolgenden Diskussionsrunde mit Dr. Margrid Bircken, Dr. Christel Hartinger und den 4 jungen Forscherinnen ging es um das Zusammensehen der Dinge des Lebens, der Nahoptik der Kritik und der Feinoptik des Vergleichs der drei Schriftstellerinnen.

In der Kritikerrunde des Frankfurter Literaturhauses wurde Brigitte Reimanns „Franziska Linkerhand“ als ein für heute noch gültiger Roman eingestuft, während Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“ durchfiel. Interessant war auch eine Umfrage unter Lehrern, ob die DDR-Literatur im Unterricht noch eine Rolle spielt. 30 % der Lehrer aus den alten Bundesländern behandeln keine DDR-Literatur und die anderen setzen hauptsächlich auf „Am anderen Ende der Sonnenallee“, „Nachdenken über Christa T.“ und „Jakob, der Lügner“.

Am Abend wurde die Tafelrunde mit Swing-Musik und den Auftritt der „Hexen aus der Lila Villa“ eröffnet. Sie erzählten unter anderem Irmtraud Morgners Geschichte „Kaffee verkehrt“. Anschließend folgten ein Performance-Duo, Flamenco und orientalischer Tanz und die Schirmherrin Kerstin Hensel las eine Geschichte, die von Irmtraud Morgner hätte sein können. Beim fröhlichen Tafeln und anregenden Tischgesprächen ging ein sehr erlebnisreicher Tag zu Ende.

 

Hermann Friedrich und Anne Meinecke


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Begegnung mit einem zornigen Autoren: Georg Büchner


Bericht von der Arbeitstagung des FDA (1. - 3. 11. 2013)


„Nützlicher scheint es mir, das Schreiben nicht von seinen Endprodukten her zu sehen, sondern als einen Vorgang, der das Leben unaufhörlich begleitet, es mitbestimmt, zu deuten versucht; als Möglichkeit, intensiver in der Welt zu sein.“ Mit diesem Zitat von Christa Wolf begrüßte uns Martin Kaiser, Institutsleiter des Gustav-Stresemann-Instituts in Bad Bevensen und berichtete von der Bedeutung der Literatur etwa für den interkulturellen Dialog, um den sich das Institut bemüht.

Unsere FDA-Präsidentin Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt nahm den Ball auf: Für Christa Wolf schlug die Geburtsstunde der modernen Prosa mit Georg Büchner. 1813 geboren starb er nach einem sehr kurzen, bewegten Leben 1837 in Zürich. Er befand sich im Exil, weil man ihn wegen revolutionärer Gedanken steckbrieflich suchte: Er sei ein Staatsverräter gegen sein Vaterland, das Herzogtum Hessen-Darmstadt.

*    Büchner war in Kontakt mit führenden Oppositionellen von Hessen-Darmstadt und drängte zur Tat: Das Volk müsse sich gegen das soziale Elend erheben. In einer Flugschrift griff er das bekannte Wort aus der französischen Revolution auf: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“In seinem ersten Drama (Dantons Tod) zeigte er die blutige Wirklichkeit der Revolution, an die Danton nicht mehr glaubt, sondern fatalistisch an der Welt verzweifelt. In „Leonce und Lena“  treten Bauern auf, die sich vor Hunger kaum auf den Beinen halten können – und den Fürsten Spalier stehen müssen. „Woyzeck“ zeigt schließlich das Leiden und Ausgeliefertsein des Menschen in der Ersten Industriellen Revolution: Woyzeck, von Ausbeutung und Einsamkeit getrieben, wird zum Verbrecher.

*     In Büchner begegnet uns ein deutscher Dichter, der zugleich Autor revolutionärer Schriften ist. Philosophisch nahm Büchner das Lebensgefühl der Moderne vorweg. Er thematisierte die bedrohte und ungesicherte Existenz des Menschen, die Qual der Einsamkeit mit ihren folternden Vorstellungen, die Risse, die durch die Wirklichkeit selber gehen.

Am Abend durften wir eine szenische Lesung von und mit Brigitte Gutmann aus ihrem Hörspiel

„Georg und Minna“ erleben, das den Briefwechsel zwischen Georg Büchner und seiner Verlobten als Grundlage hatte. Nach diesem gelungenen Auftakt trafen wir uns zur „abendlichen Kontaktpflege“ im Gewölbekeller. Wir Sachsen nutzen einen schönen Nebenraum, was uns – auch akustisch – den Austausch sehr erleichterte. Auch bei den Mahlzeiten saßen wir oft bei einander und zwar nicht, um uns von den anderen abzusetzen, sondern um die Möglichkeit zu genießen, den Mitgliedern unseres Landesverbandes zu begegnen.

Am Samstag suchten wir im Workshop „Dimension des Dunkeln“ nach Prädikaten für den Antagonisten. Gegenspieler einer Handlung kann etwa ein Mensch, ein Tier, ein System oder die Natur sein. Es braucht ein ausgewogenes Kräfteverhältnis zwischen dem „Helden“ und seinem „Widersacher“, wobei diese oft auch die innerpsychische Komplexität widerspiegeln. In einem weiteren Workshop konnten wir in Textbeispielen aus „Lenz“ herausarbeiten, wie Büchner mit einer historischen Quelle schöpferisch umging.

 Nach dem Besuch des Klosters Medingen, an dem etwa die Hälfte der 60 Tagungsgäste teilnahm, erwartete uns eine Leseaufführung von „Woyzeck“ durch einige Mitglieder des FDA, welche als bewegend, fesselnd, mitreißend erlebt wurde. In der anschließenden Diskussion wurde Büchners Anliegen gewürdigt: Er hat einem Menschen, dem die Sprache genommen war, die Sprache – und damit seine Würde – zurückgegeben.

Dieses Thema nahm am Sonntagmorgen Hans Bäck in seinem Vortrag nochmals auf. Bäck würdigte „Woyzeck“ als das erste „Arme-Leute-Stück“ in Deutschland, das exemplarisch das Schicksal der verarmten Masse zeigt. Die Armut schafft sich ihre eigenen Ansichten von Sitte und Moral, die den bürgerlichen moralischen Vorstellungen entgegensteht. Indem Büchner das anerkennt, wird er zu einem Dichter, der als Analytiker und Diagnostiker den Finger auf die Wunde legt.

In der sehr angeregten Diskussion kamen u.a. viele Aspekte zur Sprache, welche gesellschaftskritische Funktion die Literatur haben kann. In ihrem Schlusswort dankte unsere Präsidentin für die offene, engagierte und freundschaftliche Atmosphäre, die unsere Tagung auch bei durchaus kontroversen Diskussionen geprägt hat, und zitierte noch einmal Christa Wolf: „Der Autor ist ein wichtiger Mensch.“

 

Andreas Knapp

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Auszeichnung der Stadtbibliothek Auerbach/Vogtland


Am Mittwoch, dem 23. 10. 2013, dem Vorabend des Tages der Bibliotheken in Deutschland, besuchte ich als Vertreterin des FDA Sachsen die Stadtbibliothek Auerbach/Vogtland, um deren Auszeichnung mit dem Sächsischen Bibliothekspreis beizuwohnen. Nach einer dreiviertelstündigen Fahrt mit der Vogtlandbahn von Zwickau-Zentrum zum „Unteren Bahnhof“ von Auerbach/V. – der in Wirklichkeit hoch oben auf dem Berg liegt – ließ ich mich per Taxi den Berg hinunter durchs Stadtzentrum und auf der anderen Seite den Berg wieder hinauf zur Bibliothek chauffieren. Dort wurde ich von Frau Anja Schamberger, der Leiterin der Bibliothek, und ihren Mitarbeiterinnen freundlich begrüßt und hatte vor Beginn der Veranstaltung noch etwas Zeit, um mich in den Räumlichkeiten und an den Regalen umzuschauen.

Um 16 Uhr begann die Auszeichnungsveranstaltung, und sie war so gut besucht, dass noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Eine ganze Reihe hochrangiger Gäste waren erschienen, allen voran die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Frau Prof. Sabine von Schorlemer, Abgeordnete des Sächsischen Landtages, der Ober­bürgermeister der Stadt Auerbach/V. mit Mitgliedern des Rates der Stadt, der Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Bibliotheksverband und Direktor der Städtischen Bibliotheken Dresden, der Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Frau Dr. Tröml vom Sächsischen Literaturrat, der Geschäftsführer der Firma Bibliothekseinrichtung Lenk GmbH Schönheide, und – last but not least – durfte ein lesender Dichter natürlich auch nicht fehlen: Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Arend Flemming, den Vorsitzenden des Landesverbandes Sachsen im deutschen Bibliotheksverband, brachte uns Utz Rachowski Gedichte und Prosastücke aus seiner Feder zu Gehör, die auf Grund ihrer nachdenkens­werten Inhalte und auch dank seiner sonoren Stimme großen Anklang beim literarisch interessierten Publikum fanden. Danach richtete die Staatsministerin ein Grußwort an die Anwesenden, in dem sie sowohl auf die Geschichte der Bibliotheken in Sachsen bzw. Deutschland als auch auf deren gegenwärtige Situation einging. Der Oberbürgermeister der Stadt Auerbach/V., Manfred Deckert, zeigte in seinem Grußwort die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadtbibliothek und dem Rat der Stadt auf, die sich u. a. darin manifestiert, dass es – neben nur einer einzigen anderen Stadt in Sachsen – in Auerbach/V. ein vom Stadtrat beschlossenes Bibliothekskonzept gibt, dessen Verwirklichung gemeinsames Anliegen aller Beteiligten ist. Im Anschluss folgte der Höhepunkt der Veranstaltung: die Laudatio, gehalten von Prof. Dr. Thomas Bürger, Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek, in der er insbesondere auf die vielfältigen Aktivitäten der Stadtbibliothek Auerbach/V. auf den Gebieten der Literatur-, Kultur- und Bildungsarbeit im Hinblick auf Zielgruppen aller Generationen aufmerksam machte: von der Leseförderung für Vorschulkinder bis zu Internetkursen für Senioren, und schließlich die Verleihung des mit 4.000.- € dotierten Sächsischen Bibliothekspreises durch die Sächsische Staatsministerin, Sabine von Schorlemer.  Außer über diesen Preis konnte sich die Bibliothek dann noch über einen weiteren freuen: einen Sonderpreis der Firma Bibliothekseinrichtung Lenk GmbH in Form eines turmförmigen hölzernen Regalgestells, das für die Präsentation verschiedener Print- und Digitalmedien im Bereich der Kinderbibliothek verwendet werden soll. Anschließend bedankte sich Frau Anja Schamberger, die Leiterin der Stadtbibliothek Auerbach/V., sehr bewegt bei der Staatsministerin und dem Bibliotheksverband für die Auszeichnung, bei allen Rednerinnen und Rednern für die lobenden Worte, bei allen, die an der Vorbereitung und Durchführung der Auszeichnungsveranstaltung beteiligt waren, für ihr Engagement, und bei jeder Mitarbeiterin und dem Mitarbeiter der Bibliothek einzeln mit Blumenstrauß und Umarmung für die geleistete Arbeit.

Nach zwei abschließenden Musikstücken, dargeboten von zwei Schülerinnen der Musikschule Vogtland, die die Veranstaltung  auch schon am Anfang und in ihrer Mitte mit Gesang und Gitarre musikalisch mitgestaltet und bereichert hatten, wurde das Buffet und damit der inoffizielle Teil des Nachmittags bzw. dann schon des Abends eröffnet, an dem es bei Schnittchen und Getränken vielfach Gelegenheit zu Gesprächen gab. Ich unterhielt mich z. B. mit einer Stadträtin von Auerbach und dem Dichter Utz Rachowski, der auch am 19. 10. im Haus des Buches in Leipzig bei der Veranstaltung „Gut zum Druck“ gelesen hatte und mich sogar von daher wiedererkannte. Am Buffet tauchte dann auch noch Peter Sodann auf, der auf Nachfrage behauptete, er sei gekommen, weil er wüsste, dass es dort Abendbrot gäbe. Natürlich wurde er von den Gästen auch auf seine eigene Bibliothek angesprochen.

Bevor ich, gestärkt und angeregt von Essen, Trinken und Gesprächen, wieder die Heimfahrt antrat, schrieb ich noch folgende Worte ins Gästebuch der Bibliothek:

Herzlichen Glückwunsch an die Stadtbibliothek Auerbach/Vogtland zur Auszeichnung mit dem Sächsischen Bibliothekspreis!

Wir Schreibenden wissen die großen Verdienste der sächsischen Bibliotheken um die Verbreitung von sowohl klassischer als auch moderner Literatur sehr zu schätzen und freuen uns immer, wenn wir  neue Bücher von uns, sei es nun Monografien oder Anthologien, in Bibliotheken Sachsens vorstellen dürfen.

Ein großes Dankeschön dafür und auch für die gelungene und eindrucksvolle Auszeichnungsveranstaltung.

                               Eveline Hoffmann,

                               Freier Deutscher  Autorenverband  (FDA), Landesverband Sachsen

Auerbach/Vogtland, am 23. 10. 2013

 

Nun weiß man also auch in Auerbach im Vogtland, dass es den FDA Sachsen gibt.

 

Eveline Hoffmann


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Lesung in der Gemeindebücherei Bärenstein

Am 22.10.13 machte ich mich bei wundervollem Herbstwetter, sprich im Sonnenuntergang in unglaublichen Gold- und Rottönen glühendem Laub, in das Erzgebirge auf, um aus meinem Roman „Claire“ zu lesen. Frau Göbel von der Gemeindebücherei und ihre Helfer hatten den Abend perfekt vorbereitet. Zwar waren nicht so viele Zuhörer erschienen, wie erwartet, aber jene, welche da waren, genossen das Wechselbad der Gefühle sichtlich. Von entsetztem Schweigen, als sie unfreiwillige Zeugen einer Folterung wurden, bis zu amüsiertem Grinsen, bei eindeutigen Zweideutigkeiten, reichte die Palette der Reaktionen. In lockerer Atmosphäre wurden anschließend noch sämtliche Fragen zum Buch und meiner Person geklärt, was für einige Lacher sorgte, denn als sächsischer Literaturkampfzwerg habe ich immer einen lockeren Spruch auf Lager. ;-)

Herzlichen Dank an alle, die diesen Abend zu einem Erlebnis gemacht haben.


Reni Dammrich

 

 

 

 


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Gut zum Druck - Fest sächsischer Verlage und Autoren

 

Am 19. 10. 2013 von 10 – 18 Uhr präsentierten 19 ausgewählte Verlage aus ganz Sachsen, die Kurt Wolff Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene und 10 Literaturvereine im Haus des Buches in Leipzig ihre Publikationen. 17 Autoren lasen in 15-minütigen Kurzlesungen aus ihren Werken, darunter auch Horst Seidel, der sein im goldenbogen Verlag erschienenes Buch „warten auf anschluss: unterwegs zu lesen“ vorstellte. Daraus las er „Der Balkonredner“, die Geschichte von einem älteren Schriftsteller, der sich darüber ärgert, dass er wieder nicht zu den Auserwählten des Literaturwettbewerbes gehört, die öffentlich lesen können. Und er fragt sich, ob es wohl am Alter liegen könnte. Einfach köstlich, wie dieser Mann seine Wut und Trauer über dem Balkongeländer abreagiert. Und schade, dass kein Verantwortlicher für diesen Literaturwettbewerb anwesend war.

 

Anne Meinecke


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NICARAGUA-LEGENDEN UND WIRKLICHKEIT

 

Lesung von Katja Ullmann und Carlos Ampié Loría am 15. 10. 2013 in der Bibliothek der Westsächsischen Hochschule Zwickau

 

Begrüßt wurden wir von der Leiterin der Hochschulbibliothek  Frau Reingard All-Hassan, nach dem wir schon durch Fotos von nicaraguanischen Frauen und lateinamerikanischer Musik von Katjas Laptop auf die Veranstaltung eingestimmt wurden. Dr. Anne Meinecke, die Landesvorsitzende des FDA Sachsen, stellte noch kurz unseren Landesverband vor und dann griff Carlos, der als freiberuflicher Schriftsteller und Übersetzer arbeitet, zur Gitarre und begann mit einem Lied eines nicaraguanischen Liedermachers, der nach der Revolution von 1979 Innenminister des Landes wurde und sein Lied „Meine persönliche Rache“ genannt hatte. Katja, die Journalistik, Germanistik und Russistik studiert hat und jetzt als Koordinatorin an der TU Dresden arbeitet, stellte ihr Buch „Kometensplitter- Interviews mit Frauen in Nicaragua“ vor und las Auszüge aus dem Interview mit Elisabeth, einer deutsche Bibliothekarin, die nach ihrer Pensionierung Anfang der 1980er Jahre nach Nicaragua ging und mit viel Kraft, Elan und Geldspenden einen Bücherbus aufbaute, der auch in die Gefängnisse fährt und die Frauen mit Büchern versorgt. Nach dem Lied über die Liebe eines Liedermachers aus Uruguay, stellte Katja noch Maria Elena, die Rechtsanwältin, vor, die kostenlose Rechtsberatung für die Frauen des Armenviertels Acahualinca erteilt. Sie wurde mit drei Jahren in das Haus ihrer Großmutter gegeben, wo sie den ganzen Tag im Laden der Großmutter arbeiten musste. In ihrer Ehe erlebte sie auch selbst häusliche Gewalt.

Nach dem Lied eines nicaraguanischen Liedermachers, in dem es heißt, …“gib diesem Volk ein Licht…“ las Carlos aus seinem Buch „Nicaraguanische Legenden und Volkserzählungen“. In ihm hat er 14 bekannte Legenden gesammelt und in Deutsch und Spanisch aufgeschrieben. Während er „Die Legende von der Fischprinzessin“ las, konnten wir uns am Bild der auf einem Stein in der Lagune Nocarime sitzenden Nixe erfreuen. Sie war die Tochter des Häuptlings Nicarao, nachdem das Land Nicaragua benannt ist, die von einem Hexer in einen Fisch verwandelt wurde und nur alle 52 Jahre für kurze Zeit ein Mensch sein konnte. Der Zauber konnte nur durch einen jungen unschuldigen Mann, der sie mit einer Zauberangel an Land holt und liebevoll in die Arme nimmt, gebrochen werden. Diese Geschichte endete anders, als wir es von den deutschen Märchen gewohnt sind.

Anschließend folgte eine rege Diskussion zu den interviewten Frauen, zu Nicaragua und zur Revolution. Interessant ist auch, dass man wählen kann, ob man vormittags oder nachmittags die Schule besucht. Die Erwachsenen besuchen sie oft abends. Carlos erzählte auch, dass er 1980 bei der Alphabetisierungskampagne dabei war. In sechs Monaten wurde die Zahl der Analphabeten von 50 % auf 12 %  gesenkt.

Es war eine sehr interessante, informative und schöne Veranstaltung.

Vielen Dank auch an Eveline Hoffmann für die Organisation!

 

Anne Meinecke 

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AJA in Dresden - im Erich-Kästner Museum/ Literaturcafé


Datum und Uhrzeit:12.10.2013, 10 bis 13 Uhr

Thema: Redundanz

vorgestellt von: Horst Seidel

Anwesende: Anne Meinecke, Angelika Erdbeer, Eveline Hoffmann, Katja Ullmann, Frau Seidel, Herr Hoffmann, L.J. Cropley (sowie ein Mitarbeiter des Kästner-Museums)


Folgende Aussagen sind mir über das Thema Redundanz, das von Horst Seidel ausgearbeitet wurde, im Gedächtnis geblieben:

Zu Anfang eine Begriffserklärung: „Redundanz ist das Vorhandensein von überflüssigen für die Information nicht notwendigen Elemente in einer Nachricht.“

Hinterher gleich noch ein Zitat von Arthur Schopenhauer: „Wer die weite Reise zur Nachwelt vorhat, darf keine unnütze Bagage mitschleppen.“

Dem gemeinen Schreiberling sind diese Umstände sicherlich bekannt, oftmals fällt es schwer, sie zu beherzigen. Es gilt Sinnzusammenhänge zu erklären, ohne der Aussage die Kraft zu rauben. Gleichzeitig sollte jedoch der Schrecken genommen werden. Sicherlich verlangen dieses manche Genres (Krimi, Thriller), in der normalen Schreibe genügt es, Dinge kurz und treffend zu erklären. Andeutungen reichen aus und zeigen so auch den Reiz des Textes. Denn die Literatur soll Kunst bleiben.

Ein Streitthema war die These, Schreiben ohne den Makel der Wirklichkeit zu zeigen. Hier gingen die Meinungen weit auseinander. Vermutlich ist es ein Hinweis für die Prosa. Denn in anderen Feldern (Journalismus, Dokumentationsberichte) ist ja gerade dieser „Makel“ so interessant und hilft das Besondere aus dem Alltäglichen herauszuheben.

Literatur verlangt immer Authentizität und Fiktion. Wobei ersteres beim Leser mehr Achtung erfährt. Die Fiktion sollte „gut gemacht“ sein, damit sie angenommen wird, oder gar nicht auffällt. Ich bin der Meinung, man kann sich als Schriftsteller die verrücktesten Szenarien ausdenken, in der Wirklichkeit geht es oftmals noch heftiger zu…

Immer wieder gelten die goldenen Regeln, was will ich mit dem Text, wer ist der Leser? Was ist meine Intension – nicht zu verwechseln mit der Intuition? Der erste Begriff beschreibt das Vorhaben, der zweite den Umgang mit der Materie, das Gefühl für Charaktere, Situation und Wortwahl zum Beispiel.

Es gilt mit allen fünf Sinnen zu schreiben. Fremde Wörter und Fremdwörter sollten ebenso weggelassen werden, wie zu viele Substantive. Verben bringen den Text viel besser voran.

Unterhalte ich mit meiner Literatur, drücke ich mich klar und verständlich aus? All dies sind Aspekte, die der Schreiber berücksichtigen sollte. Und zu guter Letzt noch ein Fakt, der manchmal übersehen wird: Den Schlusspunkt des Textes setzt der Leser, nicht der Autor!

  

Diese Anmerkungen versuchten wir nun an mitgebrachten Texten zu erkennen. Es gab im Nachhinein Verbesserungsschläge für Anne Meineckes Reisebericht „Sylt – ein Mythos?“ und für zwei Kurzgeschichten von Angelika Erdbeer. Teilweise erkannten die Genannten ihre Fehler nun selbst. Horst Seidels Worte waren auf fruchtbaren Boden gefallen.

  

Wir beendeten die viel zu kurzen drei Stunden mit ein wenig Klärung von Organisatorischem (Aufbau, Orte der AJAs 2014; Flyergestaltung) und der Lesung weiterer Texte.

  

Der nächste Treff wird in Chemnitz Anfang Dezember zur Weihnachtsfeier sein.

  

Herbstliche Grüße

L.J. Cropley

 

 

 

 


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FDA Sachsen auf der Buchmesse Frankfurt 2013?

Na klar! Zum Stöbern, Schnüffeln und um Mitstreiter zu treffen!

Ein Bild für die Götter:
Mark Galsworthy (Berlin) und der Sächsische Literaturkampfzwerg (Chemnitz), am 12.10.2013.


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14. / 15.09.2013 Treffen des FDA Sachsen in Tschechien


Und wieder hatte der Wettergott Freude an unseren Lesungen. Dafür hat er uns mit bestem Wetter für diese Zeit belohnt.


Ein paar Impressionen unter dem Link:

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.724219710928377.1073741840.316013531748999&type=3


FDA-Autorentreff in Marianska (Jachymov) am 14. und 15. September 2013


Anwesende: Anne Meinecke (und Ehegatte), Almut Fehrmann (und Ehegatte) , Hermann Friedrich (und Begleitung), Hannelore Crostewitz (und Ehegatte), Horst Seidel, Lothar Pfüller, Angelika Erdbeer (und Ehegatte), Reni Dammrich, L.J. Cropley

Gäste: Roman Josef Dobias (und Begleitung), Dr. Christel Hartinger

Stadtführung: Carola Seiferth-Bender (und Ehegatte) 

 

Punkt 12 Uhr war das Mittagessen in der tschechischen Herberge angesetzt. Und nicht nur das „fehrmännische Gefährt“ hatte angesichts zahlreicher Baustellen auf dem Hinweg Bedenken, den Termin halten zu können. Tatsächlich schafften wir es auf die Minute genau, was uns gleichzeitig erfreute und erstaunte. Alle anderen waren schon da, hatten die Zimmer bezogen und die Gegend kurz erkundet. In einem Jahr schien nichts wirklich verändert, nur im Haus gegenüber waren Sanierungsarbeiten in Gange.

Nach kurzem Durchatmen wurde im großen Saal erst die Vorsuppe (Nudeln mit Leberknödelchen) und Brot gereicht. Anne begrüßte uns nochmals herzlich und gab das Programm für den Samstag bekannt. Zum Hauptgang (Semmelknödel mit Rindfleisch) waren wir schon wieder alle so vertraut im Gespräch, als hätten wir uns erst vorgestern das letzte Mal gesehen.

Noch immer nicht des Tschechischen mächtig, entstand ein kleines Missgeschick, was sich um Biwo (Bier) drehte. Roman fragte, was denn für Bier gewünscht wurde und die Entscheidung fiel auf Pils. Allerdings waren alle der Meinung, dass das für abends gedacht war. Der Wirt schleppte daraufhin ein riesiges Tablett Bierkrüge herein, das keiner bestellt hatte. Wir packten schon das Gebäck (und das Gepäck auch) für den Ausflug ein. In der Küche wurde literweise heißer Kaffee in mitgebrachte Thermoskannen gefüllt. Insgeheim fragte ich mich, wer das alles trinken sollte…

Wieder bestiegen wir die Autos, das Bier, Ellen, Hermann und Christel blieben zurück. Sie hatten andere Pläne. In einer Kolonne durchfuhren wir das wilde Tschechenland, durchquerten wilde Wiesen, die gelbgrün mit Moos und Heide bewachsen waren. Kamen durch Nadel- und Mischwälder, in denen sich die Pilzsammler tummelten. Ihre Körbe waren gut gefüllt. Es ging an Ruinen, Neubauten und saniertem Altbau vorbei. Ganz anders als in der Heimat. Irgendwie ursprünglicher, ruhiger, mit morbidem Charme behaftet und ein Stück weg vom Kapitalismus.

Auf der Hinfahrt wurde die Straße gebaut, wenige Stunden später rückzu befuhren wir diesen neuen Asphalt, die Baufahrzeuge parkten gelborange in einer Waldbucht.

Im anheimelnden Nejdek angekommen, schulterten wir die Rucksäcke und folgten Carola „um die Ecke“. Dort schloss sich wenig später der 1600 Meter lange Kreuzweg an. Dies war unser Ausflugsziel, das sie ausgearbeitet hatte. Der Kreuzberg ist 688 Meter hoch, es galt einen Höhenunterschied von 110 Meter zu überwinden. Pausen im Buchenwald, der schon sehr herbstlich anmutete, boten die 14 Kreuzwegkapellen. An jeder erklärte Carola uns etwas zu den Holzreliefs, die die Geschichte Jesu in steinernen Kapellen, geschützt hinter Glas, darstellten. Der Weg war vom Jahr 2000 bis 2008 wieder aufgebaut worden. Der eigentliche Bautermin lag im 16. Jahrhundert. Die Buchen waren 1858 gepflanzt worden.

Carola zeigte uns passend zu ihrem Erzählten alte Zeichnungen und Postkarten. So war auch  Goethe vertreten, der seiner Martha von Stein aus Nejdek berichtete. Es gab ein kleines Gedicht, was das Städtchen ebenso skizzierte:

Ein Baum ohne Land

Der Teich ohne Damm

Ein Turm ohne Grund

Das Kirch kugelrund

Die Stadt selbst hatte ihren Namen vor langer Zeit bekommen. Die Dächer der Häuser waren neu gedeckt, deswegen heißt der Ort heute: Neudek/ Nejdek.

Heute ist die Stadt ebenso nett anzusehen, denn ihre Dächer und Fassaden sind sehr schön bunt. Bekannt ist sie für den Automobilbau und die Textilindustrie.

So erklommen wir auf Zick-Zack-Wegen den Kreuzberg, um an dessen Gipfel auszuruhen und die Aussicht zu genießen. Nun wurde der Kaffee ausgeschenkt und das Gebäck verteilt. Jeder wollte seine Last zuerst loswerden. Zwischen Felsen, Nadelbäumen und Heidelbeersträuchern aßen und redeten wir. Bevor die Regenwolken dichter wurden, lasen wir noch ein paar Texte aus eigener Feder vor.

Als es ungemütlich und kühler wurde, traten wir den Rückweg an. Überholt wurden wir nur von zahlreichen Spaziergängern und jugendliche Rad-Rennfahrern.

Unten bei den Autos angekommen, fing es endgültig zu regnen an. Somit beschlossen wir das Städtchen zu verlassen und reihten uns wieder in unsere Autokolonne Richtung Marianska ein. Am Abend, nachdem wir uns das bunte Mahl aus Brot, Schinken, Eiern, Käse, Gurken, Tomaten und Schnitzel munden lassen hatten, widmeten wir uns wieder der Literatur. Wir rückten die Tische zusammen und jeder las wiederum Texte vor. Da Lothar auf dem Gipfel nicht dran gekommen war, eröffnete er. Wir bekamen einen Eindruck einer „guten Ehe“ im Ablauf eines Banküberfalls und wie man/n dabei auf krumme Gedanken kommt. Hermann zeigte uns die Qual des Wals auf, der wohl keine Wahl hatte. Almut nahm uns mit nach Frankreich. Wir erfuhren, dass damals ein Schäfer wegen der anmutigen Frauen vergaß, sein Käsebrot zu essen. Als er sich daran erinnerte, war das Brot verschimmelt und der Siegeszug des Roquefort geboren. Horst stellte uns daraufhin sein Projekt vor, ein Wort das nunmehr den Abend bereichern sollte. Alles artete zum „Projekt“ aus und wir lachten herzlich darüber. Horst jedoch hatte Großes vor, ein autobiografischer Roman sollte entstehen. Titel des Manuskriptes derzeit: Wasserträger und Vorsänger – Ein Leben reicht nicht. Viel Erfolg dafür, lieber Horst. Das was wir hörten katapultierte uns weit zurück in die Geschichte und ließ uns gespannt zuhören.

Hannelore schloss sich an und bereitete uns einen Dialog zwischen einer Autorin Frau Sacher und einem Herrn Pirot. Es handelte sich um eine Art Anekdote, die das Ende darin fand, dass die Autorin vermeintlich Analphabeten als Zuhörer bei einer Lesung hatte. Somit hielt sich der Buchverkauf in argen Grenzen.

Reni stellte uns die Wüste vor und wie sich ihre Protagonisten aus „Gamal“ darin zurechtfinden. Man darf verraten, dass es sehr abenteuerlich ist.

Roman las seine Gedichte und Balladen in tschechischer Sprache, die somit in einer fremden aber einlullenden Melodie erklangen. Auf Deutsch vorgetragen von Reni, öffneten sie sich plötzlich und versetzten in einen Zauber und einer Sanftheit, die man in der Ursprungsversion nur erahnen konnte. Hervorzuheben hierbei: „Die Erkenntnis“ und „Der Sommermorgen“. Wir ermutigten Roman daraufhin, sein neues geplantes Gedichtebuch zweisprachig zu verfassen. Anne folgte mit einer Kurzgeschichte „ Jahreszeitenwechsel“. Mein Lieblingssatz daraus: - Nur die Ritzen der Gehwegplatten halten den alten Kalkstaub noch fest.- Sie beschrieb ihre Erinnerungen an einen Ort, den sie zu Studienzeiten nicht so gemocht hatte. Nun war sie zurückgekehrt und sah ihn auf einmal erblüht, sauber und in einem neuen Licht….

Christl Hartinger fügte nun viel zu schnell klare Verse aus ihrer Hand an. Dahinter steckten Bilder, Gefühle und feine Zwischentöne, empfunden an Meer und Strand. Wie gern hätte man mehr gehört und vor allem alles …langsamer.

Ich gab ein nicht lyrisches Gedicht zum Besten, was ich „Es ist Krieg“ getitelt hatte. Denn so stellte sich das letzte Fußballspiel in meiner Heimat dar. Es passte auch gut zu den Fußball- Spielständen, die man der Aktualität halber, erfragte und austauschte.

Lothar schloss diese Runde auch wieder. Der Text hieß „Schlafzimmer-Optik“. Dieses viel versprechende Werk möchte ich gar nicht näher erläutern. Der interessierte Leser möge den Autor (Lothar Pfüller) zu diesem Projekt (es gibt drei verschiedene Varianten!) doch bitteschön selbst befragen.

Der Abend klang mit diversen alkoholischen Getränken und viel Witz und Humor aus. Das stehen gebliebene Bier vom Mittag wurde bezahlt und langsam setzte der Wirt auch wieder eine friedliche Miene auf…

Der nächste Morgen war erwacht und wir auch. Draußen alles grau und nass, drinnen gemütlich warm, zumindest der Speiseraum. Nach einem reichhaltigen Frühstück besprachen wir unter der Leitung von Anne Meinecke allerlei Organisatorisches und Terminliches, was den FDA als Verein betrifft. Die wichtigsten Punkte hierbei sind im aktuellen Sachsenbrief Nr.28 nachlesbar, den auch jedes FDA-Sachsen-Mitglied erhält.

-Jachymov 2014, FDA Flyer-Neugestaltung, Weihnachtsfeier 2013, Anthologie 2014, Erinnerungsveranstaltung Lindstedt / Ballerin und eine Bilderausstellung zu Texten von Lilly Ulm-Lindstedt

Nachfolgend arbeiteten wir in der AJA, dieses Mal unter der Leitung von Dr. Christel Hartinger. Wir erfuhren drei wichtige Grundsätze in der Textbearbeitung, hier Arbeitsebenen genannt:

-was ist die Intention/ Botschaft des Werks,

-was für ein/e Textart/ Genre herrscht vor,

-Fehler in Rechtschreibung/ Grammatik

Jeder der anwesenden Autoren erfuhr individuell zu seinem abgegebenen Text Verbesserungsvorschläge und oder Lob. Dafür danken wir Dr. Christel Hartinger sehr, besonders für ihre einfühlsame, neutrale, genaue und ehrliche Art und Weise der Kritiküberbringung.

Nach einem letzten wohlschmeckenden Mittagsmahl (Vorsuppe, Tomatensalat, Kartoffel-püree mit Fleisch-Gemüse-Roulade) packten wir zusammen. Die Verabschiedung fiel wieder sehr herzlich aus, mit dem Versprechen uns im Oktober zur AJA in Dresden wiederzusehen.

Selbst Tschechien weinte, als wir gingen, denn der Himmel hing voller Regentränen.

Ahoj bis 2014.

 

ENDE,  L.J. Cropley

 

 

 

 


1  


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13. 6. 2013 Lesung in Dresden

„Allerweltsgeschichten“


Unter diesem Titel luden der Freie Deutsche Autorenverband Sachsen und das Lehrzentrum für Sprachen und Kulturen der TU Dresden am Abend des 13. 6. 2013 zu einer Lesung ein. Frau Dr. Anne Meinecke, Vorsitzende des FDA Sachsen, war extra aus Leipzig gekommen, um dem interessierten Publikum den Verband und die Dresdner Autoren Katja Ullmann und Horst Seidel sowie den Gitarristen Benjamin Priebst vorzustellen und natürlich auch, um selber in den Kunstgenuss zu kommen.

Katja Ullmann, Dozentin für Spanisch an der TU, entführte ihre Zuhörer in ein Land, dem es 1979 nach jahrelangem hartem Kampf gelang, sich von einer schrecklichen Diktatur zu befreien. Nach Nicaragua. Ihr Buch „Kometensplitter“ stellt Land und Leute vor. Sieben Frauen, die sie während ihrer Aufenthalte in dem kleinen, vier Millionen Einwohner zählenden, zentralamerikanischen Land kennen- und bewundern lernte, erzählen ihre Lebensgeschichten auf Katja Ullmanns Fragen hin. Nineth, die als Musikpädagogin arbeitet, erzählt von ihrer Kindheit in Armut und von ihren siebzehn Geschwistern, von denen nur noch neun am Leben sind. Sie erzählt, dass der Vater die Familie wegen einer anderen Frau verließ, und schildert, wie Mutter und Kinder ums nackte Überleben kämpfen mussten. Ein Schicksal, das eine bewundernswerte Persönlichkeit prägte. Eine Frau, die sich für ihr Land aufopfert und dennoch manchmal davon träumt, es zu verlassen. – Eine, die ihr Land verlassen hat, ist Elisabeth. Sie träumt nicht mehr, sie lebt jetzt ihren Traum. Nach ihrer Pensionierung hat die deutsche Bibliothekarin Deutschland verlassen, um an einem Punkt dieser Erde zu wirken, an dem ihre Hilfe dringend gebraucht wird. Nicaragua wurde so zu ihrer Wahlheimat. Katja Ullmanns Buchvorstellung war beeindruckend und machte neugierig auf die weiteren Frauenschicksale.

Horst Seidel, Absolvent des Leipziger Literaturinstituts, Karikaturist und Pressezeichner sowie ehemaliger stellvertretender Bibliotheksleiter der Jugendbibliothek Dresden, präsentierte dem Publikum eine Kostprobe aus seinem jüngsten Buch „Warten auf Anschluss. Unterwegs zu lesen“, das von der Zeit während und nach der Wende erzählt. Die handelnden Personen der 33 Geschichten sind keine spektakulären Typen, die heutzutage beinahe schon ein Muss in der modernen Literatur sind, sondern Menschen, die man leicht übersieht. Aber auch sie haben ihre Geschichten, Geschichten, die es wert sind, aufgeschrieben und gelesen zu werden. Wer Horst Seidel kennt, spürt in ihnen den Schriftsteller immer wieder auf. Seine Balance zwischen Fantasie und Wirklichkeit, gepaart mit Scharfsinn, Witz und gutem Stil ist sein Markenzeichen. Kunterbunt zusammengemixt eignen sich die Texte allesamt vorzüglich für unterwegs. Wie all seine Bücher, illustrierte er auch sein jüngstes Werk wieder selbst. –Zum Schluss der gelungenen Veranstaltung gab es nicht nur Beifall und Blumen für die Autoren und den Musiker, sondern noch eine schöne Überraschung für Horst Seidel. Zwei Freundinnen von Katja Ullmann begrüßten den Schriftsteller persönlich. Alle drei waren vor 30 Jahren noch Schülerinnen und Mitglieder im Jugendclub, den er in „seiner“ Bibliothek betreute. Na, wäre das nicht wieder eine Geschichte wert, lieber Horst?


Angelika Erdbeer

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22. Bücherbörse Dresden Villa Augustin 13.6.2013

„Wer lesen kann ist klar im Vorteil“ pflegt mein Chef gern zu sagen, wenn wir etwas falsch gelesen haben. Ich gebe meinem Chef ja nur ungern recht, aber am 13.6.2013 traf das leider auf mich zu. So passierte es nämlich, das ich anstelle bei der Buchlesung von Horst Seidel zu sitzen, im Literaturhaus Villa Augustin Dresden landete. Hier fand fast zur gleichen Zeit, nur eine halbe Stunde zeitversetzt, ebenfalls eine literarische Veranstaltung statt. Es war die „Sächsische Bücherbörse“ des Literaturrates, die 22. ihrer Art, wie zu Beginn verkündet wurde.

Hier saßen zuerst drei Kritiker auf dem Podium, Michael Hametner, Volly Tanner und Jens Wonneberger. Sie hatten Bücher- Neuerscheinungen von vier Schriftstellern dabei, über die gesprochen werden sollten. Es ging um „1813“ von Sabine Ebert, „Umtriebe“ von Jayne-Ann Igel, „Kleine Paradiese“ von Ulrich Schacht und „Das Ende vom Paradies“ von Christian Schneider. Da Michael Hametner wohl bei einem Fernsehsender arbeitet, wie ich mitbekam, war auch gleich ein Aufnahmeteam seines Senders zwecks Dokumentation der Veranstaltung mit angerückt.

Das Buch „1813“, ein recht umfangreiches Werk von über 900 Seiten, wurde zuerst besprochen. Man sprach der Autorin dabei Lob für die umfangreiche Fleißarbeit bei der historischen Recherche aus. Doch die Einordnung in die Rubrik „Roman“ wurde skeptisch beäugt, teilweise sogar in Frage gestellt. Auch wenn das Buch auf Platz 8 der Spiegel-Bestseller-Liste steht, so fand es in den Augen der Kritiker kaum Wohlwollen. Ja, Volly Tanner ging sogar so weit es mit einem Mosaik-Heft zu vergleichen. Wobei er dem Mosaik eindeutig den Vorzug gab, da es mehr erzählerisch sei, als diese Anhäufung historischer Fakten im Buch. Alle drei stimmten in so weit überein, dass das Buch mit historischen Fakten zu überfrachtet wurde, die Figuren zu blass und alles insgesamt ohne durchgängigen Lesefaden wäre.

„Umtriebe“ von Jayne-Ann Igel kam bei den Kritikern wesentlich besser weg. Volly Tanner schwärmte regelrecht von diesem Büchlein, weil es ihm so gut gefiel. Wobei er auch mehrmals die Tatsache, dass er in zwei Wochen heiratet mit einflocht. Dieses Buch schien so gut in seine derzeitige romantische Stimmung zu passen. Jens Wonneberger war der zurückhaltendste in diesem Trio. Seine Kommentare bezogen sich auch mehr auf sachliche Faktoren.

Die Diskussion zu „Kleine Paradiese“ von Ulrich Schacht verlief ebenfalls recht positiv. Nun weiß ich nicht, ob das nicht auch ein winziges bisschen mit daran lag, dass der Autor im Anschluß ja noch lesen sollte. Die Besprechung von „Das Ende vom Paradies“ von Christian Schneider, der übrigens auch anwesend war, konnte ich leider nicht mehr verfolgen. Da ich am nächsten Morgen schon sehr zeitig auf Arbeit sein mußte, war ich leider genötigt die Veranstaltung vorzeitig zu verlassen. Deshalb habe ich auch die Lesung von Ulrich Schacht nicht anhören können. Aber es war schon interessant, eine solche Kritiker-Buchbesprechung einmal live zu erleben.


von Iris Fritzsche


zum Anschauen Link anklicken
https://www.facebook.com/iris.fritzsche.50/media_set?set=a.182522265241839.1073741833.100004521995828&type=1

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Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren (AJA) - Sommerfest bei Anne

AJA-Sommerfest in Winterklamotten


Leipzig am 01.06.2013

Teilnehmer: Anne und Claus-Dieter Meinecke, Almut und Rolf Fehrmann, Hannelore und Roland Crostewitz,Angelika und Reiner Erdbeer, Ellen und Hermann Friedrich, Eveline Hoffmann, Matthias Albrecht, Reni Dammrich

Gast: Luise Wilsdorf


Jetzt ist es kein Geheimnis mehr – Petrus ist Literaturliebhaber!

Während Restsachsen im nimmer endenden Starkregen absoff, hatten wir in Annes Garten ein durchweg interessantes AJA-Sommerfest am Rand von Leipzig. Während die einen gleich in kompletter Wintermontur anreisten, weil es bei rund 16°C doch etwas kühl war, behalfen sich die anderen mit Decken.

Nach der Begrüßung mit einer geradezu phänomenalen Maibowle durch Gastgeberin Anne und ihre Familie drehten sich die lockeren Gespräche um das, was jedem zu seinem Literaturgenre auf den Nägeln brannte. Hin und wieder unterbrochen durch andächtiges Schweigen, beim Genießen der vielen Köstlichkeiten auf den Tellern. Wie immer hatte jeder etwas mitgebracht und Annes Männer (Mann und Sohn) grillten und wuselten herum, um die vielen Gourmets mit Nachschub vom Grill zu versorgen.

Am Nachmittag hielten wir unsere Mitgliederversammlung ab, wurden über die gute Arbeit der Revisoren, die Pläne der nächsten Monate informiert und berieten über finanzielle Befindlichkeiten, um selbige, zur Zufriedenheit aller, in die Tat umsetzen zu können.

Hatte ich gerade verschwiegen, dass es lecker Kaffee mit vielen Sorten Torte und Kuchen gab? Na gut, dann ist es jetzt auch raus. Wir reiben uns noch heute zufrieden die Bäuche. *schmunzel*

Zum krönenden Abschluss der gelungenen Arbeitsparty unterhielt uns Luise Wilsdorf mit Szenen aus ihrem neuen Theaterstück, welches am 13./14. Juli 2013 in Leipzig Premiere feiert. Von dezentem Schmunzeln bis Lachsalven war für die Erheiterung des Publikums gesorgt. Der Kälte wegen hatte Luise den Logenplatz im Türrahmen bekommen, mit Plaid für die Beine in dezentem, völlig unauffälligem Rot. Eine Frohnatur wie sie kann so etwas nicht erschüttern und so schlüpfte sie in die herrlich skurrilen Gestalten ihrer Protagonisten.

So, wie vor dem Fest einige von uns Annes Haus in einer Besichtigung heimsuchten, plünderten andere vor dem Heimweg ihren Garten. Sprich: Sie ließen sich von Waldmeister und Co. Pflanzen ausbuddeln.

Ein riesengroßes Dankeschön an alle Beteiligten, vor allem an die geduldigen Meineckes, die den Heuschreckenschwarm der Gäste so fantastisch bei Laune hielten.

Für uns Chemnitzer, die wir mit Fehrmanns angereist waren, ging es noch mal in die Innenstadt, wo Rolf für Almut noch ein besonderes Kindertagsgeschenk kaufte. *Autsch, nicht schlagen – kicher*

Auf dem endgültigen Heimweg auf der Autobahn war kurz hinter Leipzig aber schon die Hölle los. Starkregen, extremer Nebel und Aquaplaning und das Ganze bis Chemnitz, wo es heute noch immer wie aus Badewannen schüttet.

Reni Dammrich


NACHTRAG:
Luise Wilsdorf's- Theaterstück   PRIVAT-KURHEIM HAUS "AUGEN ZU" wird am 13. und 14.7. 2013 19.30 Uhr im Neues Schauspiel Leipzig e. V., Lützner Str. 29, 04177 Leipzig aufgeführt.

Die Karten (5 €) können online unter www.neues-schauspiel-leipzig.de oder unter Tel. 0341-927997-70 bestellt werden. (zum Anschauen bitte Bild anklicken)

Wie versprochen, hier das Rezept der Käserolle
Käserolle:
350 -500 g Schnittkäse (bei mir war es Edamer)
1/2 Stück Butter (oder 100 g fertige Kräuterbutter)
2 Stück Schmelzkäse (Paprika/Salami)
300 g Wurst (Bierschinken, Saftschinken, Jagdwurst, Harte Wurst)
2 hartgekochte Eier
Bohnen, saure Gurken, grüne Gurke, Paprika
Petersilie, Schnittlauch, Dill (fällt bei fertiger Kräuterbutter weg)

Zuerst:
Butter und Schmelzkäse in eine Schüssel geben und mit den zerkleinerten Kräutern verrühren.

Alle anderen Zutaten (außer dem Käse) in dünne Scheiben oder Streifen schneiden.

Danach:
Schnittkäse im Plastikbeutel in einem Topf mit kochendem Wasser übergießen, bzw. bei kleiner Flamme langsam ankochen. Der Käse muss so weich wie Hefeteig werden. (Öfters prüfen!) Käse aus dem Beutel nehmen und auf Backpapier mit dem Handballen breit ziehen. Keine Löcher und Klumpen entstehen lassen!!
Zuletzt:
Die Kräuterbutter-Schmelzkäse-Masse über den ausgebreiteten Käse streichen und Wurstscheiben darauf verteilen, ebenso die in Scheiben geschnittenen Eier und das Gemüse. Belegten Käse danach auf dem Backpapier zusammenrollen, hineinwickeln und auf einem Schneidbrett einen Tag im Kühlschrank ruhen lassen.

Hinweise aus eigenen Erfahrungen:
Sehr schnell arbeiten. Der Käse wird rasch fest und kann nicht noch einmal erhitzt werden. Nur feste Einfrostbeutel nehmen, die wirklich bis mindestens 95°C aushalten. Verbrühungsgefahr, wenn der Beutel reißt!

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Stuhlkreis


Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren (AJA) im tietz,

Chemnitz am 04.05.2013, 11.00 bis 13.30 Uhr


Leitung: Luise Wilsdorf

Anwesende: Anne Meinecke, Almut Fehrmann, Eveline Hoffmann, Lothar Pfüller, Angelika Erdbeer, Hannelore Crostewitz, L. J. Cropley

 

Der Bus fuhr auf meinem Weg zum tietz (ein Kulturkaufhaus - enthält die Stadtbibliothek, die Volkshochschule, ein Naturkundemuseum und die Neue Sächsische Galerie (NSG)) an zahlreichen blau-weißen Dienstfahrzeugen der Polizei vorbei. Das stimmte mich schon gut auf den Tag ein. Bedeutete es doch, dass AJA-Zeit ist, denn jedes Mal begleitet uns Autoren ein ähnliches Spektakel, was mit dem Spielplan hiesiger Fußballvereine zusammenhängt…

Pünktlich kam ich am Treffpunkt vor der SNG an, wo schon Almut und Lothar warteten. Sobald die restlichen Mädels eingetroffen waren, begaben wir uns auf unsere Stühle, die in der Galerie schon vom Personal bereitgestellt worden waren.

Allerhand Organisatorisches und Privates musste besprochen werden. Es ging um den Bundestag, um Hefekuchen, Lesungen, das Sommerfest und um Pudding, mehr wird an der Stelle nicht verraten. In trauter Runde verbrachten wir plaudernd die erste Stunde und ermahnten uns immer wieder, doch endlich mit der Textarbeit zu beginnen. Luise sprach alsbald ein Machtwort und so begann Almut mit ihrem Werk. Es handelte sich um eine Geschichte mit Lokalkolorit, die Hilfsbedürftigkeit, die Bergparade und einiges an Erkenntnis vereinte. Die Autorin erhielt von Luise Hinweise zum Einarbeiten von Dialogen, was den Bericht mehr in eine Kurzgeschichte verwandeln würde. Sie sollte auch von ihrer Person (Ich Erzähler) wegkommen und fiktive Gestalten einbauen, damit könne man mehr mit den Worten spielen und freier sein.

Schon war Anne an der Reihe und nahm uns auf eine familiäre Zugfahrt mit. So fuhren wir durch das Land ans Meer, begleitet vom Gestern und vielen Fragen. Bevor wir mit Anne in eine „tiefenpsychologische Therapie“ ☺ einstiegen (nur Spaß), erfragten wir den Zweck ihrer Formulierungen. Durch ihre Antworten erschloss sich das Geschriebene mehr.

Auch hier spiegelte sich eine weihnachtliche Handlung wider, was uns im kühlen Frühling aber nicht störte. Anne war soweit „austherapiert“ und wir schwenkten zum Verfassten von Angelika über.

Hier war es auch wieder Dezember, eine Familie spazierte mit der Oma zur Kirche und allerlei Erinnerns- und Erzählenswertes begegnete der Dame. So fand ein Enkel das perfekte Weihnachtsgeschenk und wir Einblick in eine kleine heile Welt. Angelika wurde angehalten den Schluss etwas raffinierter und treffender zu gestalten. Außerdem diskutierten wir über das Sprach- und Ausdrucksverhalten verschiedener Generationen. Anhand der Themen der vorangegangenen Texte wird unsere geplante Anthologie mit dem Schwerpunkt „Weih-nachten“ ein Klacks. ☺

Da Hannelore sich gerade um das Problem „Parkticket“ kümmerte und somit nicht anwesend war, las Eveline ihre Gedichte vor. Eine Flut von sprachlichen Bildern, überwältigend, spritzig und kraftvoll überraschte uns und ließ uns in ihre Lyrik eintauchen. So entlarvten wir den Wind als Wasser und sprachen über die Funktionalität von Wortbildern. Eveline brachte ihr „Denkmal“ zu Gehör, was uns nur anerkennend mit den Köpfen nicken ließ und schon folgte die „Stürmische Sommernacht“. Eveline ein echtes Gedichte-Talent, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf, ich bin wirklich begeistert ob ihrer Inhalte, poetischen Ausdrucks-weise und ihrem Gefühl für Melodie und Sinnhaftigkeit.

Hannelore kam wieder und mit ihr eine Besucherin der Galerie. Sie verkündete, dass die Dame Gefallen an unserer Runde hätte und Anne überreichte ihr gleich einen FDA/ AJA Flyer mit den Kontaktdaten. Vielleicht haben wir wieder eine neue Mitstreiterin gefunden?

Die Zeit drängte, so las ich mein Gedicht „Gleich und Gleich“ vor, was erst komplett abgenickt und als stimmig befunden wurde. Dann regten sich doch Zweifel und ich sollte immer wieder bestimmte Passagen laut vortragen. Kein Problem, mach ich doch gern. Wir wägten Aussage und poetische Ausdrucksweise ab, ich erklärte meine Ansicht und warum ich das Wortpaar „ stark-schwach“ im Text haben wollte. Letztendlich fanden wir eine Einigung. So konnte Hannelore ihren Text lesen, zudem sie nur eine Fragestellung hatte. Wieder waren wir weit in der Zeit zurück und bekamen eine junge Dame vorgestellt. Hannelore beleuchtete die Historie mit ihren Umständen, gab Einblick in eine Biografie und schob Gedankengänge um Hintergrundfragen und Zusammenhänge ein. Ob der Zeit erfuhren wir nur den Beginn der Kurzgeschichte, Hannelore und Luise wollten zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gemeinsam über die Seiten schauen.

Da das Beisammensein doch wieder viel zu schnell vorüber war, äußerten wir wiederholt den Gedanken, die AJA in den Nachmittag hinaus zu verlängern. Noch ein, zwei Stunden dazu – und wir hätten mehr Freiraum für Wortgefechte und Anregungen. Ich bin sicher, dieser Umstand wird bald in die Realität umgesetzt. Bis zum nächsten Mal dann – Sommerfest bei Anne in Leipzig!

 

Lenard J. Cropley



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Lesung in Bad Flinsberg

Erfolgsgeschichten beginnen manchmal mit einem schmalen Gedichtband aus einer Glasvitrine neben der Rezeption des Parkhotels in Bad Flinsberg im polnischen Isergebirge.

Als Kurgäste vor zwei Jahren in diesem wunderbaren Haus, lasen wir den Namen der Autorin auf dem Buch. Dieser war identisch mit der Benennung der Hoteleigentümer – das machte uns neugierig.

Frau Barbara Budczynska spricht polnisch, schwedisch, englisch, aber leider nicht gut deutsch. Zum Glück können ihre Angestellten dolmetschen und wir bekamen die freundliche Zustimmung zu einer gemeinsamen Veranstaltung.

Zunächst nahm Frau Budczynska unsere Einladung zur Lesung nach Dresden ins Haus der Sprachen an, kam mit Magdalena als Übersetzerin. Ihre polnischen Gedichte klangen wie Musik und vereinten sich mit südamerikanischen Sprach-Melodien von Carlos und Klängen der Jazzgitarre. Als Magdalena die Zuhörer fragte, ob hier jemand polnisch verstünde, meldete sich nur einer: der Chauffeur und Gatte der Lyrikerin.

Am 20. April 2013 fahren drei Autoren von uns, Anne Meinecke, Hermann Friedrich und Almut Fehrmann, gen Osten ins Nachbarland Polen und werden herzlich empfangen. Jedes Paar bekam einen Zimmerschlüssel in die Hand und verschwand erst mal kurz. Doch lange hielt es uns nicht in den schönen Stuben. Das Wetter war frühlingshaft, wir hatten Hunger und wollten auf die Shopping-Meile.

Wir Fehrmanns kannten uns aus, wurden ungewollt zu Fremdenführern und erzählten vom Kabinenlift auf den Schafsberg und von gegrillten Forellen frisch aus dem Teich mit viel Butter und Knoblauch. Auch die mit den schmerzenden Gelenken kämpften sich zur Liftstation aufwärts. Aber leider vergeblich. Die Anlage wurde gerade nach Beendigung der Skisaison technisch überholt. Also runter zur Forelle. Aber mit wenig Knoblauch, wegen der abendlichen Lesung. Genießen wie Gott in Frankreich? In Polen kann man das auch.

Wir schlenderten durch die Einkaufszone, freuten uns über neu gepflasterte und gepflegte Fußwege, bemerkten Tafeln, die auf Förderung durch die Europäische Union verwiesen, besichtigten die beeindruckende Wandelhalle im Kurhaus, genossen Latte Macchiato und Cappuccino und verkniffen uns den Eisbecher. Denn im Hotel gab es um 18,00 Uhr Abendbrot – „natürlich sind Sie eingeladen“.

Eine kurze Absprache über den Ablauf der Lesung folgte. Anne hatte Feuertaufe als neue Vorsitzende und legte sich die Worte für die Begrüßung zurecht.

Noch ein wenig entspannen, ein bischen schminken, den Büchertisch einrichten. „Langsam, langsam“, sagt Herr Budczynsky und weist uns höflich aus dem Saal.

Höchstpersönlich kümmert er sich um die Ausschmückung des Lese-Platzes mit einem wunderschönen Tulpenstrauß und Kerzenständern. Für die Ehepartner ist ein Tisch reserviert und wir fühlen uns so willkommen wie lange nicht. Ein Ober kommt zu uns und sagt: „Ich habe an allen Tischen beim Frühstück und Abendessen die Gäste zu der Veranstaltung eingeladen.“ Er ist der Ehemann von Magdalena.

In uns ist Freude und Aufregung und die spannungsvolle Ungewissheit: Wie viele werden kommen? Dann läuft alles wie im Traum.

Der Chef begrüßt, Anne stellt vor, fast alle Stühle sind besetzt, der Countdown läuft.

Almut beginnt mit ihrem Reisetagebuch „Kennst du Port-bou?“  über den unaufgeklärten Tod von Walter Benjamin, Hermann unterhält mit neuen politisch-satirischen Gedichten und Anne spricht einigen aus dem Herzen mit ihrem Text „Zwischen Spaghetti und Selbstverwirklichung“. Danach erklingt Lyrik von Barbara Budczynska in polnischer Eleganz und in deutscher Übersetzung vor höchst aufmerksamem und interessiertem Auditorium.

Wir erleben eine Sternstunde. Mit Unterstützung des Kulturbüros Chemnitz ist uns ein deutsch-polnischer Dialog gelungen mit den Mitteln der Literatur. Dieses Ereignis feierten wir gemeinsam mit den Gastgebern und hervorragendem polnischen Wein.

  


Almut Fehrmann

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Buchmesse Leipzig 2013


Ein paar persönliche Schnappschüsse von Reni Dammrich und von Vahid Monjezi (Leipzig liest - 3. Tag)

vom vierten Messetag

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=628120377204978&set=a.628120270538322.1073741829.316013531748999&type=1&theater

oder Bild anklicken:



vom dritten Messetag, der Autorenrunde und der Gemeinschaftslesung mit Matthias Albrecht unter:

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=627675230582826&set=a.627674777249538.1073741828.316013531748999&type=1&theater

oder Bild anklicken:


vom zweiten Messetag und dem Übernachtungsort unter:

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=627160503967632&set=a.626954980654851.1073741826.316013531748999&type=3&theater
oder Bild anklicken:


vom ersten Messetag und dem Übernachtungsort unter:

  http://www.facebook.com/media/set/?set=a.626949970655352.1073741825.316013531748999&type=1 oder Bild anklicken:


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Antike Reden


Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren (AJA) in Leipzig am 23.02.2013

unter Leitung von Luise Wilsdorf – 11.00 Uhr bis ca. 14.15 Uhr

Anwesende: Reni Dammrich, Matthias Albrecht, Andreas Knapp, Angelika Erdbeer, Almut Fehrmann, Anne Meinecke, Evelyn Hoffmann, L.J. Cropley

 

Drama und wörtliche Rede war angekündigt gewesen, beides erlebten wir zur Genüge, allerdings anders, als gedacht.

Fast hätten wir, zumindest die drei (Almut, Reni und ich) aus der Chemnitzer Ecke, die AJA nicht besuchen können. Denn auf dem heimatlichen Bahnhof horteten sich hunderte Fußballfans zusammen, die von einer Vielzahl dunkel-uniformierter Polizisten  in Schach gehalten worden. Sie wollten nach Halle, mit dem Zug, der in Leipzig Endstation hat, wie wir auch. Kurz vor Abfahrt, der Andrang am Gleis 5 glich der Besuchermenge des Weihnachtsmarktes am vierten Advent, ertönte eine Lautsprecherdurchsage, dass der Zug schon jetzt überfüllt sein würde. Dabei war er noch gar nicht da! Man wurde aufgefordert den nächsten Anschluss in einer Stunde zu nehmen. Reni, Almut und ich hatten uns in der Bahnhofshalle gefunden und unsere Laune war am Tiefpunkt. Kurz beratschlagten wir und entschlossen uns dann das Ticket zurück zu geben und den Treff ausfallen zu lassen. Denn wenn wir erst in einer Stunde abfahren würden, lohnte sich das Kommen zur AJA überhaupt nicht mehr.  

Ein Schalter von vieren war geöffnet, wo schon andere Reisende laut ihren Unmut über das Zuggeschehen äußerten. Mütter mit Kindern, ältere Ehepaare – ein Mann diskutierte mit wedelnden Unterlagen mit der Deutschen Bahn (DB)-Angestellten, dass ihre Kollegin ihn nicht ans Gleis 5 lasse. Das stimmte, denn erst wurden die Fußballfans durch die Polizei kontrolliert und in den Zug gestopft. Normale, ahnungslose Reisende warteten daneben und kamen nicht weiter.

Als nun Almut an der Reihe war, entstand auch wieder der Eindruck, als wisse die DB nicht, was auf ihrem Gelände passiere. Die Schalter-Angestellte hatte wohl weder die vielen Fuß-ballfans, noch die Horden von Polizisten gesehen, die an ihrer riesigen Glasscheibe vorbei

zu den Gleisen zogen. Almut konnte unter etwas Protest das Ticket zurück tauschen. Eben hatte sie das Geld empfangen, da kam eine andere Angestellte und verkündete, wer noch nach Leipzig wolle, könne mitfahren, man hätte noch einen Waggon angehangen. Andere Reisende stürmten los, Almut legte das Bargeld zurück und zog der Frau das Ticket aus der Hand. Dann rannten wir. Den ganzen Zug entlang, bis vor zum ersten Wagen. Außer Atem, geschockt und etwas beleidigt kamen wir an. Zum Glück fanden wir noch Sitzplätze, um uns herum aufgeregte Reisende, die alle nur ein Gesprächsthema hatten. In den Waggons hinter uns die Fans und Polizisten, wir „Normalen“ hatten zwei Wagen für uns.

Die Fahrt nach Leipzig verlief dann relativ gewöhnlich, nur fiel uns ein, dass wir auch wieder nach Hause mussten. Dieser „Hickhack“ sollte uns rückzu nicht nochmals passieren. Eine Frage beim Schaffner ergab, dass wir spätestens halb drei Uhr nachmittags starten sollten. Danach wäre wieder Chaos angesagt.

Wir kamen pünktlich im Budde-Haus an und hatten schon eine Story zum Erzählen. Da Luise das akademische Viertel ausnutzte, konnten wir etwas zur Ruhe kommen.

Dann war Luise da, sie entschuldigte sich „mit Auto vom Eis freikratzen- und Parkplatzsuch-problemen“, und los ging es. Wir bekamen für „Prosa“ und „Beschreibungen“ Schreibregeln diktiert, die wir fleißig alle auf unseren Blättern festhielten. Danach erläuterte Luise uns die Bedeutung von wörtlicher Rede. Sie sei charakterisierend und Transportmittel. Wir wollten das nun an Fabeln üben, weil die allgemein verständlich sein und bekamen jeder ein Arbeits-blatt. Matthias traute sich als Erster zu sagen, dass das aber Anekdoten seien. Da fiel Luise ein, dass sie wohl Fabeln kopiert, aber Anekdoten eingepackt hatte. Aber die Sache funktionierte auch mit den Texten. Aufgabe war es, erst die Anekdote laut vorzulesen und sie später in der zweiten Runde kurz frei nachzuerzählen. Das ist schwieriger, als man denkt. Man muss den Überblick über handelnde Personen, Orte und die Pointe behalten. So erfuhren wir von: Elefanten auf der Bühne, bettelnden Schauspielern, zusammengesetztem Schieß-pulver,  Casanovas Vorlieben, nicht arbeitenden Gentlemen und streitenden Komponisten. Nun sollte jeder sein Blatt als Vorgabe nehmen und Dialoge schreiben. Alle gingen forsch zu Werke und die Kugelschreiber flitzten über das Papier. Es wurde sinniert, durchgestrichen, überschrieben, der Zettel hin und her gewendet, bis Luise das Zeichen zum Vorlesen gab. Heraus kamen amüsante Gespräche zwischen den Protagonisten, da wurde geflüstert, zynisch gelacht und heftig diskutiert. Anne legte ihre ganze Wut in ihre Geschichte, die wunderbar dazu passte und so den richtigen Schwung hinein brachte. Jeder bekam Tipps, was hier und da noch zu ändern sei und dann wurde erstmal eine kleine Pause gemacht. Es gab Tee, Kaffee, Kekse und Almuts selbstgebackenen Kuchen (danke, lecker). Nun erzählte Luise aus ihrem bewegten Theater-Projekte-Leben und die Zeit verging sehr rasch. Es wurde Organisa-torisches geklärt, dann räumten wir auf, weil noch die Führung im Antikenmuseum anstand.

 Evelyn, Luise und Matthias verabschiedeten sich, der Rest genoss eine winterliche Straßen-bahnfahrt durch Leipzig zum Augustusplatz. Wir rutschten noch ein paar Meter über das verschneite Kopfsteinpflaster und waren im Museum angekommen. Annes Sohn begrüßte uns und bald erklommen wir innen die Glas-Metall-Treppe des futuristischen Baus. Welch interessante Verbindung von Vergangenheit und Zukunft. Schon standen wir vor Vitrinen, Landkarten und Skulpturen. Gefäße, Teller, Fibeln und Gliederpuppen wurden erläutert und man war wieder erstaunt über das Wissen, das unser junger Museumsführer aufwies. Das Spannendste für mich war die Tatsache, dass die Antike gar nicht nur weiß, sondern  kunter-bunt gewesen sein soll. Da Farbe jedoch damals aus natürlichen Komponenten (Ei, Stein-pulver, Sude) bestand, verwitterte und verschwand die Pracht fast vollständig. Und zurück blieb eine nahezu weiße Antike. Der Gedanke, dass das alles grell und quietschbunt gefärbt sein soll ist befremdlich und nur schwer annehmbar. Man hat es eben über die Jahre anders gelernt.

Im Skulpturenkabinett am Kopf von Sokrates endete die Führung. Wir bedankten uns und schlüpften schnell in die Winterausrüstung. Draußen schneite es dicke Flocken und der Zug wartete 14.32 Uhr mit seiner Abfahrt. Die Verabschiedung fiel wieder sehr herzlich aus, das nächste Treffen sollte zur Buchmesse in Leipzig sein.

Wir Chemnitzer fuhren ganz gemütlich in harmonischer Ruhe der Heimat entgegen, ganz ohne das Gejohle und Gedränge hunderter Fußballfans.

Zu Hause auf dem Bahnhofsvorplatz hatten zehn leere Polizei-Mannschaftsfahrzeuge eine dicke Schneehaube auf und damit ihre Bedrohlichkeit verloren.

 

 

 

 

 

L.J. Cropley


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AJA am 19.1.2013 in Leipzig mit Luise Wilsdorf

Anwesende: Lothar Pfüller, Reni Dammrich, Andreas Knapp, Hannelore Crostewitz, Angelika Erdbeer, Vahid Monjezi, Anne Meinecke, Hermann Friedrich, L.J. Cropley

Der Winter war mit Eiseskälte zurückgekehrt und so trafen sich vier vermummte Gestalten auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof. Lothar, Reni, Hermann und ich, wir erkannten uns erst auf den zweiten Blick, war doch fast jeder mit einer dicken Jacke, Schal und Mütze gegen die Minustemperaturen gewappnet.
Lothar erzählte von Almut, die sich leider nachts vom Bett zur Toilette und zurück schleppen musste. So blieb nur noch die Frage zu klären, ob das neue FDA Mitglied Vahid uns finden würde. Zum ersten Mal wollten wir alle per Sachsenticket mit dem Zug gemeinsam nach Leipzig anreisen. Doch keiner von uns hatte Vahid je gesehen, wie sollten wir uns also erkennen? Wir grübelten noch eine Weile und suchten den Bahnhof nach einem einzelnen verlorenen Mann ab, fanden aber niemanden. Somit beschlossen wir schon zum Bahnsteig zu gehen, vielleicht wartete dort jemand.

Am Gleis 5 war viel los und kalt war es außerdem. Also stiegen Reni und Lothar schon in den wartenden Zug ein und Hermann und ich, wir warteten draußen und studierten die Gesichter aller Ankommenden.
Nichts. Mir fiel ein, Almut anzurufen und nach dem Aussehen von Vahid zu fragen, doch mich begrüßte nur der Anrufbeantworter.

Die Abfahrtszeit war heran, also stiegen Hermann und ich zu. Wir informierten noch den Schaffner, dass wir einen Mann vermissten, falls sich jemand meldete, solle er ihn zu uns schicken.

Die Fahrt durch schneebedeckte Felder und Dörfer wurde uns durch Renis Pralinen versüßt, jedoch sollte sich der Alkohol darin noch rächen. Wir plauderten übers Schreiben, Reni las uns einer ihrer Interviews vor und wir diskutierten über Verlage, Lesungen und das Autoren-Dasein. Das Abteil zwischen zwei Schiebetüren mit acht Plätzen war gemütlich groß, warm und sicherte uns eine gewisse Privatsphäre. Gut gelaunt erwarteten wir Leipzig und fragten Lothar alle paar Minuten, wann und wo unsere nächste Nahverkehrsverbindung stattfinden sollte. Der arme hatte den handgeschriebenen Zettel in seinem (sauberen) Taschentuch aufbewahrt. Als er auch mal nicht weiter wusste, kramte Reni die ausgedruckte Mail von Almut hervor. Reni scheint jederzeit auf alles vorbereitet zu sein. Somit gingen wir die Daten erneut durch. Gleis, Abfahrtszeit, Ausstiegs-Haltestelle. Bei unserem Enthusiasmus hätte man meinen können, wir planten eine Weltumrundung. Nein, wir wollten nur nach Leipzig-Gohlis.

Leipzig empfing uns ebenso kalt und pünktlich nach einer Stunde Fahrtzeit. Schon liefen wir los, das Gleis 5 zu suchen. Von da sollte es per S-Bahn weiter gehen. Doch besagte Stelle verbarg sich hinter einem Bauzaun und war verwaist. Das Chaos komplett machte die Anzeige, die auf Gleis 6 auf-leuchtete. Dort fuhr ein Zug nach Leipzig-Gohlis, jedoch stimmte die Uhrzeit nicht mit unserem Plan überein. Auf der 7 jedoch passte es, was aber verwirrte war, dass Gohlis nicht angeschrieben war. Zudem informierte uns eine Digitalschrift, dass der Zug auf Gleis 12 abfahren sollte. Doch etwas verwirrt liefen wir los und erkundigten uns an der Info-
Servicestelle, was denn nun Sache sei. Die Dame in blauer Bahn-Uniform mit rotem dicken Schal um den Hals erklärte uns nüchtern und sichtlich gelangweilt, dass unsere gesuchte S-Bahn tatsächlich auf Gleis 12 abfährt. Erleichtert stiegen wir ein, wärmten uns auf und spekulierten, wann wir aussteigen sollten. Keiner war die Strecke zuvor schon mal gefahren. Dank netter Durchsage fanden wir die richtige Haltestelle und verließen den Zug in Gohlis, um auf einem Bahnsteig zu landen, der einem aus New York alle Ehre gemacht
hätte. Graffiti, Glasscherben, Müll, leere Schnapsflaschen, gespenstische Hausruinen-Herzlich Willkommen.
Wir studierten schnell den Abfahrtsplan für die Rückfahrt, merkten uns die Zeiten und das Gleis und liefen zum Budde-Haus.

Dort ließ uns Anne rein und als wir die mondäne Treppe erklommen hatten, blickte uns Vahid lächelnd an. Er saß in trauter Runde mit Luise, Andreas und Hannelore und nippte an seinem Kaffee. Wunderbar.

Kaum das wir saßen, begann das Sprech-Programm. Zu Anfang standen wir auf und vollzogenen brav alle Anforderungen der engagierten Luise. Zischten, brummten, atmeten, spannten, reckten und streckten uns.
Nach dem Urschrei, den nebenbei alle außer mir mit Bravur absolvierten, setzen wir uns wieder. Luise teilte nach Themen sortierte Arbeitsblätter aus, die wir jeder laut vorlasen. A E I O U, Unterschied von D und T, langes O, kurzes U, das Sächseln oder Nuscheln wurde uns liebevoll streng ausgetrieben. Es folgten Atem-, Lese-und Intonationsübungen zu Claudius' „Der Mond ist aufgegangen“ und zu Goethes „Über allen Wipfeln ist Ruh´“. Wirklich jeder bekam sein Fett weg und wurde einzeln korrigiert. War es für uns deutsche Muttersprachler schon nicht einfach zum Beispiel ein ordentliches „ei“ zu sprechen und sauber bei Wortendungen zu sein, so schwitzte unser lieber Vahid als persischer Muttersprachler noch mehr. Irgendwie bedauerte ich ihn und fand es schwierig, dass dies nun seine erste FDA-Begegnung sein sollte. Aber er schlug sich tapfer, korrigierte und konzentrierte sich, blieb dabei und lachte mit uns.

Irgendwann gesellte sich auch Angelika zu uns, die auch viel Spaß mit dem Leipziger Bahnverkehr hatte oder eher Pech, denn ihre S-Bahn war ausgefallen.

Luise gönnte uns fünf Minuten Pause bevor es weiterging. Ganz am Schluss übte jeder laut mit einem eigenen Text. Es wurden Vorschläge gegeben, was man an Versen zusammenziehen könne, wo man langsamer, betonter und lauter lesen solle, was die Bedeutung von wörtlicher Rede ist. Für jeden war etwas Persönliches und Individuelles dabei. Wir arbeiteten strebsam, ließen aber auch die Freude nicht zu kurz kommen.

Schon war es zu Ende und das große Verabschieden ging los. Wir bedankten uns bei Luise, Anne und Hannelore und waren schon auf dem Weg zum Bahnsteig. Vahid war mit dem eigenen Auto gekommen und fuhr damit auch zurück. Angelika begleitete uns zum Gleis, da sie auch ab dem Hauptbahnhof nach Dresden starten wollte.

Für das Nachfolgende muss man wissen, dass beim Bahnhof Gohlis die Gleise verschiedene Zugänge haben.
1 und 2 ist zusammen erreichbar, die 3 aber gesondert über eine Treppe auf der anderen Straßenseite. Wir stapften also die Stufen hoch zu Gleis 3 und schauten da noch mal auf den Abfahrtsplan. Da erkannten wir, dass unser auserwählter Zug doch auf Gleis 1 abfahren sollte. Irgendwer hatte sich was falsch gemerkt. Nun ja, also wieder Treppe runter und auf das andere Gleis zurück. Dort alberten wir herum, besprachen das Chaos aus Abfall, Gestrüpp und Abrisshäusern, als wir sahen, dass oben auf dem Gleis 3 ein Zug einfuhr und tatsächlich „Leipzig Hauptbahnhof“ vorn dran stehen hatte. Für uns unerreichbar. Wir verstanden das nicht und wunderten uns, was hier schief lief. Etwas später meinten wir unser Zug sei gekommen, doch der ICE rauschte durch, ohne anzuhalten. Das passierte noch zweimal und wir ahnten, dass etwas nicht stimmen konnte. Lothar checkte nochmals den Abfahrtsplan und dann erkannten wir den Fehler. Unter der Uhrzeit stand etwas kleiner „Mo-Fr“ und heute war Samstag! Also zurück zum anderen Gleis, über die Ampel, Treppe hoch, wo wir unter viel Gelächter nochmals fünfzehn Minuten halb erfroren warteten. Wir
ermunterten uns, dass frische Luft gesund sei und erst die Bewegung, natürlich von der guten Laune mal ganz abgesehen. Dann kam tatsächlich ein modernes Dampfross und wir erklommen es unter den Beschimpfungen eines Leipziger Bürgers, der unsere Freude den Zug endlich betreten zu dürfen wohl als Unhöflichkeit deutete.

Im Leipziger Hauptbahnhof trennten sich unsere Wege, Angelika shoppte sich durch die Läden, während wir vier erst die Toiletten und dann die Bratwurstbude stürmten.

Im Zug nach Chemnitz war es eng am Vierertisch und Reni unterhielt das ganze Abteil mit ihrer Geschichte von Nerzen, Jaguaren und einem Krokodil. Ein letztes Mal gingen die Pralinen rum und wir erzählten über Armstrong, Cindy und die heutige AJA.

In Chemnitz wurden wir von mehreren Mannschaften der Polizei empfangen. Unsicher schlichen wir zum Ausgang.

So ging eine erneute Leipzig Begegnung zu Ende, die uns folgendes Fazit bescherte: alle Sprecher im Zug sollten Unterricht bei Luise Wilsdorf nehmen, damit man sie besser versteht und wir anderen sollten lernen, wie man Abfahrts-Pläne liest. In diesem Sinne, bis zur nächsten AJA….

L.J. Cropley


L.J.s Beschreibung des Tages ist so genial, dass ich meinen kurzen Begleittext ganz schnell, ganz klein mache :-)

Der Chemnitzer Sammeltransport war ein wirklich witziges Schaupiel für Leute mit Nerven und Humor.
Auf dem Bahnhof fehlte uns plötzlich der fünfte Mitfahrer, dessen Namen und Aussehen wir nicht einmal kannten. Also haben wir den Schaffner heiß gemacht, uns jemanden zu schicken, der plötzlich ohne Fahrkarte aufgegabelt wird und behauptet, zu einem Sammelticket zu gehören.
Bis Leipzig blieb der 5. Teilnehmer verschollen.
Die Anschluss-S-Bahn fuhr auf einem anderen Gleis ab, als sie eigentlich sollte und am Zielbahnhof haben wir, nach Plan, versucht den dritten von zwei Bahnsteigen zu finden. :-) Man staune! Es ist uns sogar gelungen, der Aufgang war nur ein Stück außerhalb des Bahnhofs, wo wir ihn nicht gleich vermutet hatten.

Die AJA selber war sehr lehrreich und in weiten Teilen sehr lustig, weil Luise Wilsdorf mit ihrem Humor immer für Lachsalven sorgte.  Aussprachetraining und Interpretation haben es für Sachsen aber auch wirklich in sich. :-)

Richtig lustig wurde die Heimreise, wo wir plötzlich feststellten, die Abfahrtszeit von Montag bis Freitag zu haben, aber nicht die für Samstag. Logisch, dass uns ein Zug direkt vor der Nase wegfuhr, weil wir von einem Bahnsteig zum anderen tigerten, um endlich zu merken, was da faul war.
Infolgedessen mussten wir uns eine ganze Menge Zeit auf dem Hauptbahnhof vertreiben, weil der ideale Zug Richtung Chemnitz auch fünf Minuten vorher "winke, winke" gemacht hatte.
Aber von solchen Lappalien lassen wir uns nicht die Laune verderben, da muss man wahrlich andere Geschütze auffahren.

Ja, ja, wenn einer (oder vier) eine Reise tut, dann kann er was erzählen!

Reni Dammrich


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