Rückblicke

2017

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Sommerfest am 10.06.2017 im Kloster Buch / Leisnig

Ich wiederhole mich sicher zum hundertsten Mal, wenn ich behaupte, dass Petrus ein Literaturfan ist. Bei strahlendem Sonnenschein und moderaten Temperaturen trafen wir alle fast gleichzeitig am Kloster Buch ein. Ein Parkplatz am Rande des Baustellengeländes war schnell gefunden und die zwei Euro Gebühr taten ganz bestimmt nicht weh.

Große Augen bekamen wir wegen des Trubels, der aber auf einem gleichzeitig stattfindenden Bauernmarkt völlig normal ist. Unsere Dresdner sollten erst noch mit dem Zug eintreffen und so drehten wir individuell unsere Runden durch das Gelände. Wobei Lenard James und ich ständig die Kamera schussbereit in der Hand hatten. Mich zog vor allem die Ruine des alten Brauhauses an. Ohne einen Blick hinein zu werfen, wäre ich wohl den ganzen Nachmittag „hibbelig“ gewesen. Ich kann es nicht lassen, das Mittelalter ist nun mal meine Passion.

Ein Gang quer über den Markt und rasch noch ein paar wundervolle Fotos vom Gelände außerhalb der Mauern, an der Mulde, an welcher unzählige Blumen ganz einfach abgelichtet werden wollen. Wer hier draußen im Schatten der Bäume keine Ruhe finden würde, wäre wirklich zu bedauern.

Wasser und ich stehen allerdings in einem besonderen Verhältnis und schon kamen mir die ersten Gedanken, wie es wohl ausgesehen haben mag, wenn der träge dahinziehende Fluss sein wildes Gesicht zeigte. Die Idylle erstickte die Fragen aber sofort.

Erst bei der Führung, als wir endlich vollzählig versammelt waren, sollten sie eine Antwort finden. Denn da besichtigten wir zuerst die Gutskapelle, die so deutliche Wasserschäden aufweist, dass man die Macht des entfesselten Flusses fast körperlich spüren kann.

Weil die Führung schon ganz anders begonnen hatte, als geplant, wollten wir, neugierig, wie Schreibende nun mal sind, nun auch das Scriptorium sehen, wo man gegen einen kleinen Obolus den Umgang mit Tusche und Federkiel erlernen kann. Ach ja, seufz, es atmet wirklich jeder Quadratmeter Mittelalter. Wobei man sich hier schon etwas mehr Komfort geschaffen hatte. Nicht nur einen beheizten Raum, in welchem sich die Mönche zwei Stunden täglich aufwärmen konnten, nein sogar ein ausgeklügeltes Toilettensystem mit Wasserspülung gab es hier, welches wir als nächsten Punkt besichtigten. Und so etwas ist eine Seltenheit im mittelalterlichen sächsischen Raum. Aber warum sollen auch nur die alten Römer diesbezüglich erfindungsreich gewesen? Ob die Idee dazu von denen geklaut war, weil die Mönche ja Zugang zu allen möglichen lateinischen Texten hatten, ist eigentlich völlig egal, stellte ich mit einem Schmunzeln fest.

Das Lapidarium konnten wir leider nicht besichtigen, da ließ sich die Tür wegen eines Schadens nicht öffnen und ein Arbeits-„Mönch“ war nicht gleich verfügbar. Also nur ein schneller Blick durch das Fenster nach innen, um sich ein Bild über die Sammlung von Säulenstücken und anderen in Stein gehauenen Bauteilen zu verschaffen.

Durch den Garten gelangten wir schließlich zur Infirmerie mit Kräuterkammer für Heilkunde und Krankenpflege. Hier wird auch die ausdrucksvoll geschnitzte „Hildegard von Bingen“ von unserem Vereinsmitglied Elke Krausse ausgestellt. Und weil es damit um Holz ging, stand ich gleich wieder vor den Resten von Balken und Bauholz, deren Bäume 1396 geschlagen worden waren. Für die einen ein Haufen Holz, für mich greifbares Mittelalter.

Nach einer kleinen Arbeitsberatung zum Vereinsleben genehmigten wir uns Kaffee und Kuchen im ehemaligen Rinderstall, um gestärkt unsere letzte, neu dazu gekommene, Aktion in Angriff zu nehmen: Wir hatten spontan beschlossen, dem Opernkonzert in der Gutskirche zu lauschen.

Die absolut grandiose Akustik brachte die fantastischen Stimmen der amerikanischen Musikstudenten aus den USA und Kanada phänomenal zur Geltung. Wenn man bedenkt, dass die jungen Leute erst im Mai nach Deutschland gekommen waren und nun, ohne vorherige Deutschkenntnisse, das Werk „Doktor Mirakel“ hochklassig zu Gehör brachten, kann man nur den Hut ziehen und am Ende stehend Applaus spenden.

Genau so bemerkenswert waren die vorgetragenen Party Pieces und der zweite Opernteil „Dido und Aeneas.“

Ein herrlicher Abschluss eines gelungenen Tages und vielen lieben Dank an Elke, die Organisatorin.

 

Sina Blackwood

Bilder unter:
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27./28.05.2017 Lesung im Park Hotel SPA. Buczyński in Świeradów-Zdrój
Barbara Lewkowicz Buczyńska, Magdalena Olszewska, Dr. Anne Meinecke, Lenard James Cropley, Sina Blackwood

t.co/Z3DKZC7sjT

fb.me/1M5zjl6Ti    (Bitte probieren, ob ihr mit diesem Link mehr sehen könnt.)


Und wieder einmal hat Petrus gezeigt, dass er Literatur-Fan ist, denn am Samstag, den 27.05.17, als wir nach Świeradów-Zdrój in Polen aufbrachen, strahlte die Sonne von einem fast kitschig wirkenden, völlig wolkenlosen blauen Himmel.

Ich war mit Lenard James mit dem Auto von Chemnitz aus aufgebrochen, und entgegen aller Stauprognosen kamen wir zügig durch sämtliche Baustellen. Weil wir vor Görlitz supergut im Rennen lagen, genehmigten wir uns eine PP und ein Häppchen Wegzehrung am letzten Rastplatz vor der Grenze.

Meinem Navi vertrauend, hatte ich einfach die schnellste Route eingegeben und die führte uns buchstäblich geradenwegs durch Polen – Tschechien – Polen und noch einmal durch Tschechien nach Polen, was wir eigentlich nur an den unterschiedlichen Ortsein- und Ausgangsschildern, oder den Preisen an den Tankstellen bemerkten. Bei dem fantastischen Wetter nahmen wir die gemütliche Fahrt durch die wundervolle, sonnenüberflutete Landschaft dankbar an. Irgendwann haben wir allerdings aufgehört, Fußgängerschutzwege oder Eisenbahnübergänge zu zählen, denn die gab es überreichlich.

Dann zeigte das Navi die letzten zehn Kilometer an und die Spannung stieg …

Ich war mir relativ sicher, das richtige Buczyński Hotel herausgesucht zu haben. Ich wusste ja von der Website, dass es zwei Hotels gab und hatte auf unserer FDA-Seite noch mal die Bilder gecheckt, um das richtige Haus zu finden. Zudem steckte der Ausdruck mit der Adresse in meiner Autoablage, sodass diesbezüglich eigentlich nichts schief gehen konnte. Den Anweisungen des Navis durch die schmalen, steilen Straßen und Gassen folgend, fanden wir auch sofort den richtigen Ort, wo ich trotzdem noch einmal ganz vorsichtig fragte, ob ich mich nicht doch geirrt habe.

Alles perfekt! Wir bekamen unsere Zimmerschlüssel, wurden zum bewachten Parkplatz begleitet und machten sofort einen Ultrakurzausflug zum Rand des Kurparks, denn Anne und Claus-Dieter trafen kurz nach uns aus Leipzig ein.

Frau Buczyńska war noch geschäftlich verhindert, die Lesung erst abends und so streuselten wir vier durch die Gegend, die uns die beiden Leipziger, die schon einmal hier gewesen waren, super erklären konnten.

Nach einem leckeren Mittagessen flanierten wir die Hauptstraße entlang, streichelten die vier Bronzefrösche am nächsten großen Brunnen, denn das sollte, je nachdem, wofür der jeweilige Frosch zuständig war, Gesundheit, Glück, Liebe und Erfolg bringen.

Schon vor der großen hölzernen Trinkhalle für Heilwässer blieb uns fast die Luft weg, denn der ganze Weg wurde von riesigen, eigentlich schon fast gigantischen Agaven eingesäumt, die in gewaltigen Kübeln standen. Der Zustand der Starre vor Staunen wurde durch das Innere der Trinkhalle noch getoppt. Die Architektur des Bauwerks an sich, gepaart mit wundervoller Bemalung, ist mehr als nur einen oder zwei Blicke wert.

Nachdem wir auch noch alle möglichen kleinen Läden heimgesucht hatten, ruhten wir einen Moment an einem der Brunnen vor der Halle aus, ehe wir uns zwei Stunden lang den ernsten Dingen des Vereinslebens widmeten.

Das allerdings auch als Freiluftveranstaltung unter einem Sonnenschirm vorm Hotel. Finanzen, Homepage, Planung und zig kleine Dinge, die wir uns zur Erledigung notierten.

Beim Abendbrot hatten wir gleich wieder viel zu lachen, denn nicht überall waren die Speisen auf Deutsch bezeichnet und wir testeten uns langsam durch, weil wir echt keinen Schimmer hatten, was da zum Teil vor uns lag oder stand.

Schmeckt interessant, stellte Anne immer wieder fest. Aber ist es nun dies, oder doch eher das? Ist nun Rum drin, oder nur Aroma?

Nun hatten wir ja aber auch noch die Lesung auf dem Plan …

Vorsichtshalber haben wir es dann mit dem Probieren doch nicht übertrieben, um nicht plötzlich vor dem Publikum aufspringen zu müssen, weil sich eventuell etwas im Magen nicht mehr vertragen wollte.

Dann rasch Umziehen, Vorbereitung von Büchertisch und Lesung. Zwischendurch, das heißt, auf jedem Gang durch das erstklassige Hotel, bewunderten wir erneut die unzähligen Zeichnungen, Aquarelle, und Bilder in allen erdenklichen Techniken, die den ganze Gebäudekomplex zu einer unglaublich reizvollen Galerie machen.

Als alles fertig war, trafen die Gäste und auch Frau Buczyńska ein, die den Abend und den Lesereigen mit polnischen Gedichten eröffnete, die von Magdalena Olszewska auch auf Deutsch vorgetragen wurden.

Nach ihrer Lyrik, die das Sein und Werden in den Mittelpunkt stellt, las Anne eine Kurzgeschichte zum Thema Selbstverwirklichung, Lenard James folgte mit seinem ersten Lyrikblock über das Miteinander der Geschlechter. Dann eine Kurzgeschichte von mir, weil die Viecher immer schuld sind, bevor Lenard James seinen zweiten Gedichtblock zu Gehör brachte.

Weil er gar so theatralisch stöhnte, für die deutsche Lyrik an diesem Abend zuständig zu sein, habe ich augenzwinkernd noch eine lustige mittelalterliche Reimgeschichte nachgeschoben.

Über die vielfarbigen Rosen als Dankeschön haben wir uns natürlich sehr gefreut.

Unser Büchertisch war bestaunt worden, einige Bücher vom Publikum gekauft.

Den Rest des Abends ließen wir mit Frau Buczyńska und Frau Olszewska, der Übersetzerin, bei einem Glas Wein, Bier oder Fanta in fröhlicher Runde ausklingen, wobei wir über Malerei, Handarbeiten und was der Mensch noch so treibt, sprachen. Lenard James hatte eines seiner gemalten Bilder auf dem Handy und ich fand einige meiner im Internet. Zuletzt fiel mir ein, dass ich ja in eines meiner Drachenbücher meine schnell hingeworfenen Drachenskizzen eingearbeitet habe, die Frau Buczyńska auch sehr gefielen. Hab kurzerhand das Buch geprägt, signiert und ihr geschenkt. Kurz darauf hielt ich ihren neuesten Gedichtband signiert in der Hand, worüber ich mich natürlich riesig gefreut habe.

Im Laufe der Gespräche stiegen wir auch irgendwann dahinter, warum fast nur Frauen im Publikum saßen und einige vorfristig die Lesung verlassen hatten. Es lag jedenfalls nicht an uns – es war gleichzeitig irgendein Endspiel von irgendwas im Fernsehen übertragen worden.

Egal wie, wir werden die Einladung, in gleicher Besetzung noch einmal kommen zu dürfen, ganz sicher nicht ablehnen.

Mit unseren Rosensträußen strebten wir den Zimmern zu, um rechtschaffen müde in die Betten zu fallen.

Dass es in der Nacht geregnet hatte, war wohl wieder nur mir extremer Frühaufsteherin aufgefallen, denn gegen sieben Uhr hatte die Morgensonne schon alle Feuchtigkeit wieder aufgeleckt. Nur der auffrischende Wind war geblieben.

Nach dem Frühstück und Auschecken aus dem Hotel, ging ich mit Lenard James noch einmal auf Souvenir- und Postkartenjagd auf der Hauptstraße, ehe wir uns endgültig von Świeradów-Zdrój verabschiedeten, von dessen herrlichen Häusern und dem Park wir unzählige Fotos mit nach Hause nahmen.

Bis zur deutschen Grenze wieder das ständige Bäumchen-wechsel-dich der Ländergrenzen, ehe wir auf die A4 auffuhren, die diesmal völlig verstopft war. Vom ewigen Stop an go und der Ankündigung einer 60-minütigen Verzögerung genervt, fuhren wir in Dresden ab und besuchten auf ein halbes Stündchen meine Eltern, die fast aus allen Wollen fielen, weil sie damit nun gar nicht gerechnet hatten.

Dann führte uns das Navi weiträumig an jeglichem Autobahnstau auf den Landstraßen vorbei. Allerdings waren die letzten 30 Kilometer auf der Autobahn dann auch kein Vergnügen, denn wir zuckelten mit 70 bis 110 km/h dahin und fuhren schon Chemnitz Ost ab, wo es dann wieder ganz leidlich voran ging. Gegen 15:30 Uhr stellte ich dann endlich das Auto auf dem heimischen Parkplatz ab.

Meine Rosen sahen natürlich auch aus, wie fünf Stunden Kofferraum bei brütender Hitze. Ich habe sie geköpft und die Blüten in einer flachen Glasschale arrangiert und siehe da … sie lebten auf und sehen wunderschön aus.

 

Sina Blackwood

 

 

 

 

 


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Leipziger Lesung anlässlich des 20. Jubiläums des FDA Sachsen am 27.4.17

  Das 20jährige Bestehen des FDA Sachsen wird in diesem Jahr in allen drei großen sächsischen Städten mit Lesungen gefeiert. Direkt am Vereinsgründungstag, am 22.2.17, gab es die erste große Jubiläumslesung in Chemnitz, der nun eine zweite in Leipzig folgte:
Am 27.4.17 lasen im Literaturcafé des Leipziger „Hauses des Buches“ sechs AutorInnen des FDA Sachsen aus ihren aktuellen Texten, nachdem die Vorsitzende Dr. Anne Meinecke zunächst die wichtigsten Daten und Persönlichkeiten der Geschichte des Vereins erwähnt und mittels einer anschaulichen Foto-Präsentation dem Publikum vor Augen geführt hatte.
Als erste las Katja Ullmann ihre Erzählung „Auf der Suche nach El Velero“, die in Nicaragua spielt, wo die Protagonistin auf den Spuren des Liedes „El Velero“ von Hans-Eckardt Wenzel an einem gleichnamigen Ort übernachtet, ohne aber den Zauber der vergangenen Zeiten spüren zu können.
Grit Kurth las danach einige ihrer zeitkritischen Gedichte, die viele ZuhörerInnen sehr berührten, da sie Gedanken, Ängste und Hoffnungen widergaben, die nicht die Dichterin allein in diesen Monaten um den Schlaf bringen.
Carlos Ampié Loría, der in den 80er Jahren aus Nicaragua zum Studium in die DDR kam, ließ diese Zeiten seiner Jugend den ZuhörerInnen wieder lebendig vor Augen treten und in seiner Erzählung uns alle bei der Eroberung seiner „ersten DDR-Freundin“ mitfiebern.
Auch Marlis Michels Texte wandten sich der Vergangenheit zu, sie nahm das Publikum mit in die 90er Jahre und ließ sie an ihren Empfindungen und Erkenntnissen teilhaben, die sie damals notierte, als sie einen Senioren-Schreibzirkel besuchte.
Tino Hemmann – eigentlich „unser“ Verleger vom Engelsdorfer Verlag – las an diesem Abend seinen gereimten Fußball-Text, in dem er alle Rollen des Senioren-Fanclubs verkörperte – mal vehement, mal zahnlos, mal ordinär, immer aber witzig und  spannend.
Hannelore Crostewitz zog gleich zwei Register ihres Schaffens: Zunächst las sie aus ihrem dichterischen Werk, danach stellte sie uns den Anfang ihres unter Pseudonym erschienenen jüngsten Romans mit autobiographischen Zügen vor, der Interesse an mehr weckte.
Anne Meinecke moderierte den Abend, indem sie die einzelnen AutorInnen kurz vorstellte. Für passende Musik sorgte – wie schon in Chemnitz – der Liedermacher Lothar Becker mit seinen schönen Liedern zur Gitarre und Mundharmonika.
Obwohl leider nur wenige Zuschauer die Veranstaltung besuchten, war der Büchertisch doch den ganzen Abend umringt und bot Anlass – auch nach der Lesung – zu interessanten Gesprächen und Diskussionen.
In Dresden werden im Oktober mit einer weiteren Lesung die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 20jährigen Bestehen unseres Vereins fortgesetzt.

Katja Ullmann




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„Alle Jahre wieder..“

So könnte man meinen „Gastauftritt“ in Chemnitz umschreiben. Nun, eigentlich war es ja kein wirklicher Auftritt, sondern die Teilnahme an der alljährlichen Chemnitzer Büchermeile am Stand des FDA-Sachsen. Aber es ist eine Veranstaltung die Freude bereitet. Und das nicht nur, weil gleich neben dem FDA-Stand die Geschichtenedition von Sina Blackwood ihre Zelte aufgeschlagen hatte (Natürlich wie immer im Originalkettenhemd aus eigener Herstellung).
Durch die vielen abwechslungsreichen Angebote bietet die Meile Anregungen für groß und klein. Was mir in diesem Jahr besonders aufgefallen ist? Die Besucher schienen interessierter und sachkundiger als in den Vorjahren. Es kamen viele interessante Gespräche an den Ständen zustande. Wobei sicher Sina in ihrem auffallenden Outfit den größten Vogel abschoß. Aber auch am FDA-Stand führte ich so viele Gespräche, dass gegen Abend die Zunge recht trocken wurde.
Alles in allem ein gelungener Nachmittag, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Iris Fritzsche


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Willkommen zum zweiten Autorenkongress des FDA Berlin 
in Birkenwerder 2017 (31.03.-02.04.)


Birkenwerder begrüßte uns (Anne Meinecke, Eveline Hoffmann und Matthias Albrecht) mit herrlichstem Wetter, das einem Sommertag zur Ehre gereicht hätte. Pünktlich vor Beginn des Events hatte sich hier eine stabile Hochdrucklage eingenistet, und es ging das Gerücht, diese wäre Inge Beer und Jordan Wegberg zu verdanken – den beiden ist ja alles zuzutrauen.
Der Erfolg des ersten Berliner Kongresses im September 2015 hatte sich schnell herumgesprochen: Das Andersen-Hotel war bis zum letzten Zimmer mit FDA-Mitgliedern verschiedener Landesverbände belegt, und wenn es nach den Interessenten gegangen wäre, die nicht mehr unterkommen konnten, hätte die Hotel-Leitung noch die Besenkammern und Lagerräume mit Notbetten bestücken müssen. Inzwischen, so munkelt man, soll deshalb gar eine Erweiterung des Hotel-Komplexes geplant sein. Nun ja, wer  ’s glaubt …
Inge begrüßte die Teilnehmer am frühen Freitagabend aufs Herzlichste und gab im gleichen Atemzug bekannt, dass dies ihre letzte Amtshandlung als Vorsitzende des Berliner Landesverbands sei. Leider erwies sich diese Verlautbarung nicht als verfrühter Aprilscherz, doch die Gewissheit, dass ihr langjähriger Vorsitz in guten, vertrauenswürdigen und engagierten Händen landen würde, ließen die kleinen Tränen in Inges Knopfloch und denen der Teilnehmer schnell versiegen. Wir werden weder spekulieren, wer dereinst in ihre Fußtapfen treten wird, noch dem Ergebnis einer noch durchzuführenden, demokratischen Wahl vorgreifen; die Blicke aller Anwesenden indes, welche spontan Jordan streiften, sprachen Bände.
Das Programm des Kongresses war abwechslungsreich, interessant und auf die Bedürfnisse der FDA-Mitglieder zugeschnitten. So erfuhren wir von Katja Mischke, wie aus einer Romanvorlage ein brauchbares Drehbuch entstehen kann. Helga Rattay führte uns die Zweckmäßigkeit eines Genogramms (einer Art „Stammbaum“ der Hauptfiguren eines Romans oder einer Geschichte) vor Augen, mit dessen Hilfe der Schreibende unter anderem die Übersicht über die Abstammung und familiären Verzweigungen seiner Protagonisten behalten sollte, ohne sich im Verlauf der Handlung in Widersprüche zu verstricken und die Großmutter zunichte, pardon, zur Nichte zu machen. Abini Zöllner (eine extrovertierte, dunkelhäutige, lebensbejahende Frohnatur mit nicht zu leugnendem Berliner Akzent) machte die zum Teil gravierenden Unterschiede zwischen journalistischem, biografischem und literarischem Schreiben deutlich und erklärte – ganz nebenbei – weshalb sie dem Begriff „Neger“ ablehnend gegenübersteht, jedoch Bezeichnungen wie „schwarz“, „Mulatte“, „farbig“ und anderem mehr mit Akzeptanz begegnet. Und Olaf Wielk machte uns am letzten Tag auf anschauliche Weise klar, welchen Stellenwert Dramaturgie und Struktur in unseren Geschichten einnehmen sollte, um zu funktionieren.
Allen Dozenten wurde seitens der Anwesenden ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil, sodass Letztere selbst eine Zeitüberschreitung der im Programm verankerten, maximalen Workshop-Dauer toleriert – oder gar nicht erst bemerkt – hätten. Das will was heißen!
Die kleine Küche konnte in punkto Qualität mit den reichhaltigen Buffets der großen Hotels aus vergangenen Bundes-Kongress-Veranstaltungen durchaus konkurrieren, (die Sortimentsbreite war ohnehin nicht von Belang; schließlich kann ja niemand mehr essen, als er mit aller Gewalt in sich hineinzuschlingen imstande ist) und das Ambiente war gewohnt anheimelnd. Lediglich das Raumangebot der Lobby erwies sich für die zahlreichen Teilnehmer als etwas unzureichend, sodass man uns gestattete, den Speiseraum zum Zweck des Erfahrungsaustauschs oder – wie man zu DDR-Zeiten gesagt hätte – „des feierlichen Beisammenseins zur Festigung und Stärkung des Autorenkollektivs“ zu nutzen.
Schließlich – kein Kongress ohne kulturelle Untermalung! So wurden wir am Samstagabend völlig unerwartet mit dem nackten Grauen konfrontiert: Im Zimmer 426 ereigneten sich schauerliche Dinge, die uns das Blut in den Adern gefrieren ließ. Jordan vermisste seine Freundin; sie war spurlos verschwunden. Eine Erkundigung an der Rezeption blieb ebenso ergebnislos wie mehrmalige Anrufe mittels Handy. Im Restaurant begegnete Jordan einer geheimnisvollen Fremden (Patricia Strunk, welche auch das Stück erdachte). Diese goss noch Öl ins Feuer, als sie mutmaßte, dass es sich um Gestaltwandler wie Werwölfe oder Vampire handeln müsse, welche für das spurlose Verschwinden der Freundin Jordans verantwortlich zeichneten und die im Zimmer 426 („zufällig“ auch Jordans Residenz) umher spuken würden. Sie selbst, die Fremde, könne sich unter bestimmten Umständen in eine schwarze Katze verwandeln und helfend eingreifen.
Jordan weigerte sich entschieden, an solch hanebüchenen Unfug zu glauben und zog sich sowohl verärgert als auch konsterniert auf sein Zimmer zurück, die bereits bei der Kellnerin georderte Entenbrust und den Bordeaux im Stich lassend. Gerade in dem Moment, als er erneut – und abermals erfolglos – seine Freundin anrief, stürzte sich ein Werwolf mit grässlichem Knurren, scheinbar aus dem Nichts kommend, auf den Arglosen. Jordan erschrak drehbuchgemäß und die das Geschehen am Rande verfolgenden Kongressteilnehmer ohne Vorwarnung in echt. In den nächsten Sekunden, in welchen Jordan versuchte, sich der Umklammerung des Monsters zu entziehen, bewegte sich der Vorhang des Fensters, etwas Plüschiges, Schwarzes kam mit grässlichem Fauchen durch die Luft geflogen und stürzte sich auf … – ja worauf eigentlich? Auf den Werwolf natürlich – das wurde dem Publikum in Sekundenbruchteilen klar –, obgleich es zunächst so schien, als würde sich der überlebensgroße Stubentiger in Jordans Kehle verbeißen. (Man muss es Inge, welche sich als Bühnentechnikerin versuchte und die „täuschend echt“ wirkende Katzenimitation in die Luft warf, nachsehen: Im Raum herrschte diffuses Halbdunkel. Darüber hinaus blieben ihr nur einige Augenblicke, das Ziel anzuvisieren. Und zu allem Überfluss bewegten sich die Kontrahenten auch noch recht unkoordiniert, weil miteinander kämpfend, am Fußende des Hotelzimmerbettes hin und her). Es ist der Professionalität und Kaltblütigkeit der Noch-Vorsitzenden geschuldet, dass die Katzen-Attrappe nicht im entsetzten, ja geradezu wie paralysiert wirkenden, Publikum landete …
Der Schauplatz wechselte mehrfach. Dort, wo im Film der Cutter die Schere ansetzt, führte uns Katja Mischke zwischen den einzelnen Szenen an einen neuen Schauplatz des Grauens.
Jordan kam blutüberströmt mit dem Leben davon, erwachte in der Hotel-Lobby in den Armen seiner – inzwischen wieder menschliche Gestalt angenommene – Retterin Patricia, während seine vermisste Freundin in der Garage nebenan als „tote Leiche“ reglos auf dem kalten Betonboden verharrte, bis sich das Publikum zum nächsten Schauplatz begeben hatte. (Wir hoffen, sie kam ohne Erkältung davon …)
Ganz nebenbei: Während dieser Garagenszene hatte ich Bedenken, die Polizei könne auf einer ihrer prophylaktischen Streifenfahrten vorbeifahren und das Ganze missverstehen, doch glücklicherweise schienen die Beamten anderweitig gebunden zu sein.

  Ich weiß nicht, ob ich dieses Stück – sowohl inhaltlich als auch chronologisch – korrekt wiedergebe; immerhin hatte ich zum Zeitpunkt des Erlebens bereits zwei große Biere intus. Dennoch scheint es mich geprägt zu haben (ich verspüre unbändige Lust, mein nächstes Buch im Genre des Horrors anzusiedeln). Auf mein Schlafverhalten indes hatte es auch Einfluss. Danke Patricia, Inge und Jordan für meine durchwachten Nächte und Albträume im Weiteren!

Lange Rede – kurzer Unsinn: Dieser zweite FDA-Berlin-Kongress war ein voller Erfolg! Da sind die sächsischen Teilnehmer einer Meinung. Und ich wage die Behauptung: Alle anderen auch! Die Ausrichter (insbesondere Inge und Jordan) vermittelten den Eindruck, als wäre ihnen die Planung, Organisation und Durchführung ungeheuer leicht gefallen – so locker und unbeschwert verlief dieser Kongress am Ende. Doch wer sich mit der Materie auskennt, weiß, wie viel Arbeit, Organisationstalent und Zeit damit verbunden sind.

Wir wünschen dem Berliner FDA weiterhin viel Elan, Kraft und Glück zur Verwirklichung all seiner Projekte – und uns noch viele Events dieser Art!

Insbesondere wünschen wir Inge Beer als künftiges „Nur-Mitglied“ des FDA Berlin Gesundheit, Schaffenskraft, nicht nachlassende Ideen und erfolgreiches Mitspracherecht in allen wichtigen Dingen! Möge sie sich ihren jugendlichen „Übermut“ bewahren und uns noch lange erhalten bleiben!

Bis zum (hoffentlich!!!) nächsten, dritten Berlin-Kongress!

Übrigens – wann kann man sich anmelden?

Matthias Albrecht



 

 

 

 



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Meine Leipziger Buchmessekracher 2017


Ich düste schon morgens auf die Messe, um in aller Ruhe und ganz allein meinen dreiviertelsten Teil des wunderschönen Eckstandes auszustaffieren, den ich mir diesmal mit dem Artio-Verlag teilte, welcher das Buch „Der Zwerg vom Untersberg“ herausgegeben hatte. Zwerge sind rar und halten zusammen, war die Devise.

Von Chemnitz schlug ich die Route über die A72 und dann die Landstraße am Störmthaler See ein, um die letzten Kilometer wieder Autobahn zu fahren. Es war ein recht entspanntes Vorankommen und ich erreichte das Messegelände noch vor neun Uhr.

Mein funkelnagelneuer Plattenwagen lechzte schon danach, das erste Mal Dienst tun zu dürfen. Er legte sich auch wie ein Irrer ins Zeug und schleppte mit einer einzigen Ladung sowohl die Leiter als auch sämtliche, Kisten, Rollen, Beutel und Taschen in die Messehalle.

Ich türmte meine Kisten in das freie Viertel und begann, meine Utensilien auszupacken. Dann räumte ich die rechte Wand komplett frei, die in voller Größe ein extra angefertigtes Vinylplakat zieren sollte. Ein beherzter Griff zur Plakatrolle … dann kamen mir erste Zweifel …

Der Behälter war zwei Meter lang, das spezielle Plakat aber nur einen Meter breit …

Also … wenn ich das jetzt nicht im Wahn quer zusammengrollt habe, dann …

Na ja, so war es auch – ich hatte schlicht die völlig falschen Plakate eingepackt. Aber weder ein Römer noch ein Kampfzwerg macht kehrt und so klebte ich unter Todesverachtung an die Wände, was immer sich noch in meinem Kofferraum befand, denn das Riesenplakat von zwei mal drei Metern passte beim besten Willen nicht. Vorweg sei verraten: Es hat kein Mensch bemerkt!

Zuletzt blies ich meinen grünen Drachen auf, der schon unzählige Veranstaltungen gesehen hatte und jetzt plötzlich in Rente gehen wollte. Aber da hatte er die Rechnung ohne mich gemacht! Ich habe ihm kurzerhand den „Hintern“ mehrfach verklebt, damit er diese Messe noch erleben konnte. Vielleicht hatte er ja auch Wind davon bekommen, dass ich seinen Nachfolger schon mit im Gepäck hatte. Wer weiß?

Dann fix die Buchträger justieren, die Bücher einordnen, ein letzter Blick und das ganze Leergut, nebst Leiter, per Plattenwagen ins Auto verfrachten. Nix wie ab, nach Naunhof in die Pension. Der Schock, die falschen Plakate eingepackt zu haben, war schon lange verflogen und ich wollte nur noch ganz in Ruhe mein Zimmer beziehen. Nun konnte ja auch alles nur noch viel, viel besser werden!

Äh, ja … ich war zu zeitig da. Zumindest um einiges zeitiger, als ich angekündigt hatte. Der Chef hat mir dann auf Anruf jemanden geschickt, damit ich wenigstens meinen Schlüssel bekam.

Da es gerade die Mittagszeit war, beschloss ich, auf Nahrungssuche in der näheren Umgebung zu gehen, wobei ich das Turmuhrenmuseum erspähte.

Logisch, dass ich auf Essen verzichtete und mir lieber die Stadt ansah, bis das Museum 14 Uhr öffnete. Ich habe eine Keramikwerkstatt entdeckt, wo Schmuck gemacht wird, der fast an Emaille erinnert, weil er so filigran ist!

Meine Güte! War das alles cool! Und im Museum das Jahr 1606 und so weiter. Uhrwerke mit nur einem Zeiger, Turmuhren mit allen Schikanen und alles, was irgendwie mit Uhren zu tun hat! Und das, wo ich gerade an meinem Roman aus dem 15. Jahrhundert schreibe! Wenigstens habe ich diesbezüglich keinen Fehler im Manuskript, was schon mal sehr beruhigend ist. Ich war eine halbe Ewigkeit hier und ließ mir Details über die grandiosen Exponate erzählen. Dann tigerte ich langsam über den Markt zurück und folgte schließlich dem Duft nach Brot und anderem Backwerk, denn mein Magen meldete plötzlich lautstark Ansprüche an Aufmerksamkeit an. Mit zwei warmen Pizzaschnecken trabte ich schließlich davon.

Hatte ich mir schon über den Strauß roter Rosen in meinem Zimmer den Kopf zerbrochen, so grübelte ich noch mehr, dass mich der Chef des Hauses ausgesucht herzlich empfing und mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen versuchte. Statt des bestellten Piccolos als Gutenachttrunk bekam ich eine große Flasche mit Knabberkram aufs Haus, mit dem Hinweis, dass die Messe ja ein paar Tage dauere. Richtig! Und bei dem Fingerhut voll, den ich zum Zunge anfeuchten nehme, reichte sie wirklich bis zum letzten Abend.

Meine neugierige Frage, warum der Aufwand für eine kleine Autorin, wurde damit beantwortet, dass der Chef gerade meine „Magier von Tarronn“ lese und nicht ganz unzufrieden zu sein schien.

Am nächsten Morgen begann der tägliche fantastisch-bunte Messewahnsinn, den ich seit Jahren nicht missen möchte. Natürlich reizte ich die Zeit aus, bis kurz vor zehn Uhr, ehe ich in meine siebzehn Kilogramm schwere Kettenrüstung schlüpfte, die ich an allen Tagen am Stand tragen wollte.

Sekunden nach Eröffnung der Messe trat Kerstin Decker von der Leipziger Volkszeitung auf mich zu und fragte, was es Neues gäbe. Logisch, fühlte ich mich geschmeichelt, besonders unter den neugierigen und neidvollen Blicken der Standnachbarn. Also erzählte ich von allen Neuheiten bis hin zu geplanten Projekten.

Dann kamen auch schon die ersten Besucher, die erstaunt den Kampfzwerg in voller Rüstung musterten. Marionette „Manni“, der Zwerg vom Untersberg, sein literarischer Papa Marco Bolz-Maltan und Andrea Kuritko vom Artio-Verlag, hatten genau so viel Spaß wie ich!

Natürlich ging es runter wie Öl, wenn ich an der mobilen Kasse am Stand gekaufte Bücher prägte und signierte. Schließlich soll, wer wirklich bei mir kauft, auch eine Erinnerung der besonderen Art haben. Hin und wieder kamen auch Buchfans, die meine Drachenbücher in der Messebuchhandlung erstanden hatten und sie nun noch signiert haben wollten. Aber gerne doch!

Abends wollte ich eigentlich nur noch ins Bett. Ich hatte schlicht weder Kraft noch Lust, auf Nahrungssuche zu gehen. Ein Tafel Schokolade hätte es zur Not auch getan, obwohl ich morgens immer nur ein Müsli esse und den ganzen Tag nicht einen einzigen Happen zu mir genommen hatte. Ich bekam etwas Grandioses! Ein superleckeres Käsefondue mit allem drum und dran direkt aufs Zimmer und stellte überwältigt fest: Satte Zwerge sind friedliche Zwerge.

So ging das nun fast jeden Abend und das Zwergi setzte ein behagliches Lächeln auf. Ich habe mich doch wirklich keine Sekunde vom Stand weg getraut, in der Angst, die besten Fans oder potenzielle Kunden zu verpassen. Von lieben Arbeitskollegen und deren Familien, über den Drachenfanclub, bis hin zu meinem Sohn mit Partnerin kamen mich so viele besuchen, dass ich heute noch ganz überwältigt bin. Auch war mein Haus- und Hofillustrator, Kay Elzner, an einigen Tagen bei mir am Stand und wir haben wegen des neues Romans konspiriert.

Am Freitag zehn Uhr stand meine Lesung „Die Viecher sind schuld!“ auf dem Plan. Ich hatte die Befürchtung, weil die Messe erst zehn Uhr öffnete, dass ich vor leeren Stühlen lesen werde – ich habe mich ganz gewaltig geirrt! Alle Plätze waren besetzt und es standen noch einige Zuhörer, die andächtig lauschten!

Am Freitag und Samstag haben die Musiker von Novo Modum bei mir am Stand aufgespielt. Na, da war erst Leben in der Bude! Von tanzenden Kindern bis lauschenden Erwachsenen war alles vertreten. Sogar „Manni“ hat das Tanzbein geschwungen und der Kampfzwerg wiegte sich im Takt der Musik.

Der Drachenfanclub war da und hat mit einem Großeinkauf zugeschlagen und irgendwann habe ich aufgehört, meine verkauften Bücher zu zählen, und mich an die abendlichen Zettel der mobilen Kassen gehalten. Es waren im Laufe der vier Tage 17 Titel in ganz erheblichen Stückzahlen!

Und weil ich es versprochen habe, bin ich am letzten Abend in der Pension noch einmal in meine Kettenrüstung geschlüpft und wir haben eine lustige Fotosession gemacht.

Auch habe ich mein Buch „Asphalt, Sex & Abenteuer“, signiert und geprägt, auf den Tresen gelegt, um danke zu sagen. Wenige Blicke vom Chef hinein genügten, um festzustellen, dass er „meine“ Strecke jedes Jahr mit der Tourenmaschine fährt. Coooooool! Da habe ich also auch hier voll ins Schwarze getroffen.

Fazit: Es war meine geilste Messe aller Zeiten!

Leipzig 2018 – wenn es irgendwie geht, dann komme ich wieder. Versprochen.

Für die großartige Unterstützung bei der Vorbereitung der Messe möchte ich mich bei Dietrich Touristik Telfs/Österreich und der Desinfecta GmbH Hohenstein-Ernstthal bedanken.


Sina Blackwood

 



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In memoriam Dr. Christel Hartinger


Christel Hartinger starb mit 75 Jahren im Dezember 2016. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte, lehrte und forschte bis 1991 an der Leipziger Universität. Danach arbeitete sie ehrenamtlich in literarischen und kulturpolitischen Vereinen, Initiativen und Projekten. Sie war nicht nur Literaturwissenschaftlerin, sondern auch Autorin, bildende Künstlerin, Friedenskämpferin, Feministin, Freundin und Vertraute. Sie schwärmte von Berthold Brecht und Volker Braun, hatte aber auch offene Ohren für unbekannte Autoren und förderte sie. Sie war ein unruhiger Geist, ständig unterwegs zu den verschiedensten Veranstaltungen. Anfang der neunziger Jahre gründete sie die Textwerkstatt DIALOG e.V. in Leipzig und das Friedenszentrum Leipzig e.V.. Sie hob zusammen mit dem Frauenzentrum Lila Villa in Chemnitz die Irmtraud Morgner Tafelrunde aus der Taufe, wirkte in der AG LISA und dem linXXnet Leipzig mit und baute zusammen mit Ralph Grüneberger die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik auf. Sie verknüpfte die unterschiedlichsten Initiativen, bildete ständig neue Netzwerke, war Ideen- und Ratgeberin und sorgte sich auch um das Wohlergehen ihrer Mitstreiter. Nebenbei organisierte sie Lesungen, moderierte Veranstaltungen, initiierte und begleitete verschiedene Buchprojekte. Wir haben sie an einem Wochenende in Jachymov kennengelernt. Sie brachte sich ein; in die abendliche Lesung, die sie gleich zur Textwerkstatt umfunktionierte, half beim Arrangieren der abendlichen Tafel, skizzierte mal so nebenbei den Vogelbeerbaum der nachmittäglichen Wanderung und leitete die Textwerkstatt am nächsten Morgen, wofür sie eigentlich mitgefahren war. Sie kam mit jedem Anwesenden ins Gespräch, interessierte sich für seine literarischen Arbeiten und für ihn als Person. Christel wird uns fehlen und wir werden sie in dankbarer Erinnerung behalten. 

Anne Meinecke



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AJA am 11.03.2017

Ort: DASTietz / Stadtbibliothek Chemnitz

Teilnehmende: Iris Fritzsche, Lenard James Cropley, Elke Krausse, Anne Meinecke, Peter Zech, Sina Blackwood

 

 

 

 










Wenn sechs kreative Köpfe volle Kraft voraus arbeiten, kommen auch ratzfatz alle Programmpunkte unter den Hammer. :-)

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Jubiläumslesung mit einer Reise durch die Vereinsgeschichte


Wir trafen uns zur Erinnerung, zum Lesen, zum Zuhören, zum Austausch und zum Feiern am 22. 2. 2017 in der Volksbank Chemnitz. Alles war von unserer Vorsitzenden Dr. Anne Meinecke und ihren Mitstreitern Lenard James Cropley, Elke Krauße, Horst Seidel und Hermann Friedrich gut vorbereitet. Als einer, der den FDA an eben diesen Tag zwanzig Jahre zuvor mitgegründet hat, der aber sonst in die Veranstaltung nicht weiter involviert war, darf ich etwas über den ersten Teil dieser Zusammenkunft schreiben.

Lothar Becker, Autor, Musiker und Sozialpädagoge, 2006 Finalist des MDR-Literaturwettbewerbes, hatte seine Gitarre mitgebracht und musizierte gekonnt und gegenwartsnah zwischen den einzelnen Abschnitten.

Anne Meinecke begrüßte die zahlreichen Gäste, unter ihnen der Kulturreferent der Stadt Chemnitz, mit einem Sektempfang. Im Hintergrund lief eine von Elke Krauße angefertigte Power-Point-Präsentation mit Impressionen aus der Geschichte des Landesverbandes, den Anne M. dann näher vorstellte. Hans Dietrich Lindstedt (H.D.L.) war unser „Urvater“. Der war 1929 in Schönebeck geboren, in Simmern und Oberwesel aufgewachsen, 1947 nach Schönebeck übergesiedelt, Neulehrer, lebte ab 1955 in Potsdam, war Redakteur der „Märkischen Volksstimme", schloss ein journalistisches Fernstudium ab, wurde entlassen, weil seine Eltern wieder im Rheinland lebten und er die Verbindung hielt, gründete mit Volkmar Zühlsdorf, als er zu der Beerdigung seiner Mutter, zu der er fahren durfte, im Westen blieb, den Landesverband Rheinland - Pfalz und später die Landesverbände Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen - Anhalt, war Ehrenpräsident des FDA und starb 2008 in Chemnitz. Nach dieser Vorstellung las Horst Seidel aus Lindstedts Werken, hauptsächlich aus „Man selbst“ und dem „13. Römerschiff“. Horst ließ uns H.D.L. lebendig vor Augen treten. Er tat das in seiner ruhigen, Wort-betonten und bedächtigen Art; und das mit einigen uns bekannten Zitaten Lindstedts. Danach las Elke Krauße Gedichte von Lilly Ulm-Lindstedt, einer liebenswerten Tänzerin, die auch Kinderbücher schrieb und die H.D.L. in großer Liebe verbunden war, was ein Gedicht am Schluss besonders zum Ausdruck brachte.

Anne M. führte uns dann in das Denken und Schreiben von Uwe Grüning ein, auf den ein umfangreiches Werk zurückgeht, Gedichte, Essays und Erzählungen, benannte seine politischen Tätigkeiten und seine Auszeichnungen. Danach las Lenard James Cropley einige seiner Texte.

Anne M. kam dann auf Dr. Werner Ballerin zu sprechen, der als Kunsthistoriker und Initiator des Kunstvereins „Neue Chemnitzer Kunsthütte“ auch die ersten Montagslesungen in der Neuen Sächsischen Galerie initiierte, der 2000 den Sächsischen Verdienstorden bekam und 2009 in Berlin verstarb. Er hatte eine betont kluge und innere Art, sich in unsere Tagungen und Sitzungen einzubringen, ja sie oft auch vorzubereiten. Wir verdanken ihm sehr viel. In diesem Sinne las Hermann Friedrich einige Texte über ihn und von ihm. Auch wurde auf seine Beiträge

in den vom FDA Sachsen herausgegebenen Anthologien hingewiesen.

Horst Seidel und Hermann Friedrich hatten ja mit dem verstorbenen Dr. Helmut Knoblauch ein „Literarisches Kabarett" gebildet. Davon erzählten sie und gaben uns einige Kostproben.

Diesen 1. Teil beschloss eine Dankesrede von Anne M. für Almut und Rolf Fehrmann, für ihre Leitungstätigkeit und seine Fahrdienste. Sie bedankte sich dafür im Namen des FDA Sachsen und ich fand, dass es eine aufrichtige Würdigung war. Almut bedankte sich mit dem Hinweis, dass sie einst durch eine meiner Lesungen zum FDA gestoßen war. Das freute mich wiederum auch.

Nach der Pause, in der es traditionell Rotwein und Baguette gab, lasen die Mitwirkenden aus den fünf Anthologien des Landesverbandes. Zum Abschluss stellte Eveline Hoffmann drei nachdenkliche Gedichte aus ihrem ersten Gedichtband „Email an Sisyphos“ vor.  Es war eine gut besuchte, informative und würdige Geburtstagsfeier.

 

Friedemann Steiger

 



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AJA am 11.02.2017

Ort: Leipzig
Brrrrr!

Da startet man wohlgemut bei Sonnenschein und fast frühlingshaften Temperaturen und dann...landet man erneut im Winter! So geschehen am 11.2.2017. Das Ziel meiner Fahrt war Leipzig, der Grund hieß AJA. Glücklicherweise fand ich gleich vor dem Zielobjekt, der Stadtbibliothek, einen günstigen Parkplatz. Zwar nicht kostenfrei, aber eben nahe. Da konnte mich der kalte Wind nicht all zu doll ärgern. Mit 10 Anwesenden waren wir auch gut besetzt. Zweieinhalb davon waren Neulinge, die den Bibliotheksflyer gelesen hatten und nun neugierig interessiert waren.
Eigentlich sollte es ja in der Hauptsache um die weitere Vorbereitung der Jubiläumsveranstaltungen gehen. Damit die Neuen aber besser in unsere Arbeit hineinschnuppern konnten, disponierte Anne um. So vergingen mindestens zwei Stunden mit Text lesen und diskutieren. Die Halbneue war Grit Kurth, die schon an unserer Veranstaltung im Cafe Waldi teilgenommen hatte und nun das Eintrittsformular für den FDA- Sachsen unterschrieben hat.
Danach ging es an das wichtigste aktuelle Thema: die erste der Jubiläumsveranstaltungen. Fast zwei Stunden wurde nun über Ausgestaltung, Zeitplanung und Ablauf diskutiert. Am Ende gab es zwar immer noch einige Unklarheiten, aber die Hauptrichtung war festgelegt. Mit qualmenden Köpfen und knurrenden Mägen beendeten wir einiges nach der festgelegten Zeit unsere AJA. Nun können die Jubelfeiern beginnen.

Iris Fritzsche

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Zurückdenken und nach vorn blicken

AJA am 28.01.2017

 

Teilnehmende: Anne Meinecke, Elke Krausse, Katja Uhlmann, Hermann Friedrich, Horst Seidel, Lenard J. Cropley

Ort: das tietz, Stadtbibliothek Chemnitz

 

Im winterlichen Chemnitz besprachen wir jede Menge Organisatorisches. Wie geht es mit dem Sachsenbrief weiter? Wird es einen neuen Redakteur geben und wie erscheint die kleine Broschüre zukünftig? Analog, digital oder gar nicht mehr? Der nächste Sachsenbrief wird der letzte sein. Bitte Beiträge an Horst Seidel.

Weiterhin beredeten wir die Jubiläumslesung am 22.2.2017 zum 20jährigen FDA Sachsen Bestehen. Die erste Lesung wird in der Volksbank Chemnitz stattfinden. Wir klärten kleine aber wichtige Details der kulinarischen Art und legten Rede- , Lese- , und Musikanteile fest. Es wurden Textvorschläge an die Lesenden verteilt. Lyrik, Prosa und Geschichten, geschrieben von den damaligen FDA Sachsen Gründungsmitgliedern. Den heutigen Autoren wurden Aufgaben verteilt, was Foto- Plakatgestaltung, Werbung u.a. angeht. Einzelheiten sind bei Anne Meinecke zu erfragen.

Sowieso wird Weiteres zu dieser Chemnitzer Jubiläumslesung am 11.2. 2017 zur AJA in Leipzig geklärt werden. Restliche Fragen zum 22.2. können auch dort noch gestellt werden.

Der schöpferische Tag klang mit einem gemeinsamen Nachmittagsessen aus. Dann trennten sich unsere Wege und die FDA Autoren verteilten sich wieder in alle sächsischen Richtungen.


Lenard J. Cropley